Unversöhnliche Töne im TV: MP Kretschmer disst die Linken - und ist doch auf sie angewiesen
Dresden/Magdeburg - Im Wahlkampf-Endspurt vor der Sachsen-Anhalt-Wahl treffen überall aus der Republik weise Ratschläge in Magdeburg ein. Die meisten ungebeten.
Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) reihte sich nun in die Reihe der Weisen ein - und warnte seine Parteifreunde vor einem Pakt mit den Linken. Und das, obwohl ihm die Marx'schen Erben in seinem eigenen Land des Öfteren den Allerwertesten retten.
Es war im ZDF-Morgenmagazin, als Kretschmer als Berater aus der Ferne für Sachsen-Anhalt ein Regierungsbündnis mit den Linken für ausgeschlossen erklärte.
"Es ist völlig klar: Eine Regierung mit den Linken kann es nicht geben. Da sind die inhaltlichen Unterschiede so groß, so gewaltig. Das schließt sich aus", sagte der CDU-Politiker vor laufender Kamera.
So mancher Linken-Politiker in der sächsischen Heimat dürfte da vor Begeisterung den morgendlichen Kaffee ausgeprustet haben. Denn die Realität im Freistaat ist eine andere.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Sachsen-Anhalt steht vermutlich vor Minderheitsregierung
Zwar sind die Linken hier nicht Teil der Regierungskoalition, aber eine ihrer wichtigsten Stützen zum Erhalt der sogenannten Brandmauer nach rechts.
Ohne Unterstützung von ganz links würde in Sachsen aktuell kein Haushalt durchkommen. Was die Linke-Fraktions-Chefin Susanne Schaper (48) Kretschmers Wackelkoalition in der letzten Landtagssitzung am vergangenen Mittwoch auch genüsslich-charmant ins Tagebuch diktierte: "Die Koalition kann also froh sein, dass sie uns Linke und die Grünen hat. Wir waren der Zement für das Fundament, auf dem sie jetzt ihren Haushaltsentwurf aufbaut. Der Freistaat kann jetzt anderthalb Milliarden Euro aufnehmen, um eben Werte zu schaffen."
Freundlicher kann man den schwarz-dunkelroten Schuldenpakt nicht beschreiben.
In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt. In den jüngsten Umfragen führt die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) klar vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (47).
Die Umfragewerte bei den kleineren Parteien deuten zudem darauf hin, dass es beim Fortbestand der Brandmauer zu einer Minderheitsregierung kommen wird.
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

