Vogtländer flutet die Welt mit Öko-Bällebädern und will Rekord knacken
Reichenbach - Doller lässt uns baden gehen! Der Unternehmer Robert Doller (37) aus Reichenbach im Vogtland ist Bällebademeister. Seine Firma baut bunte Bällebäder für Groß und Klein, für private oder Geschäftskunden, und füllt sie gleich mit dem passenden "Wannenwasser" ab - mit Hunderttausenden Plastikbällen! Neuerdings kann Doller sogar Bäder mit Biobällen einlassen. Fehlt nur noch die Krönung: Jetzt will der Unternehmer den Bällebad-Weltrekord knacken.
20 Millionen Bälle für Bäder werden jedes Jahr in Deutschland verkauft - für Kinderfeste, -geburtstage, Indoor-Spielplätze, Kindergärten oder Entspannung auf Firmenevents. Die Bällebäder der Republik wurden zumeist von zwei Firmen aus Sachsen befüllt: von Bällebad24.de aus Bautzen oder "Bällebad und mehr" aus Reichenbach im Vogtland. Sie liefern die Bassins mitsamt den bunten Bällen zum Baden.
Bis September vergangenen Jahres. "Da habe ich meinen Kontrahenten in Bautzen für eine gute fünfstellige Summe aufgekauft, bevor es andere Konkurrenten gemacht hätten. Der Bällebädermarkt wurde nach Coronazeiten immer enger", sagt Robert Doller (37), Gründer und Inhaber von "Bällebad und mehr" aus Reichenbach im Vogtland.
Mit der Fusion kam eine Öko-Innovation ins Unternehmen. Bislang gab es die bunten Badebälle in drei verschiedenen Durchmessern von sechs, sieben und acht Zentimetern, aber immer aus Plastik. "Jetzt kann ich deutschlandweit einmalig auch nachhaltige Biobälle anbieten", sagt Doller. "Sie bestehen aus gehäckseltem Zuckerrohr, das aus Brasilien importiert und von einer deutschen Firma zu Granulat veredelt wird", erklärt Doller, der sich das Verfahren zur Herstellung der kugeligen Bioprodukte patentieren ließ.
Das Granulat besitzt sogar eine Zertifizierung als Lebensmittel, muss zum Beispiel innerhalb eines Jahres verarbeitet werden. Doller lässt es für seine Bäder zu Bällen pressen - zum Beispiel in Spritzgussanlagen in Belgien, Tschechien oder Ungarn. "Aus einem 25-Kilo-Granulatgebinde lassen sich 3500 Bälle im Durchmesser von sieben Zentimetern herstellen", erzählt er.
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Robert Doller hat über 100.000 Biobälle auf Lager
Dann kommt Farbe ins Spiel. "Ich färbe die Bälle in allen erdenklichen Farben, die man aus 48 Grundfarben mischen kann", sagt Doller. So hat die Telekom schon Bällebäder in ihrer Hausfarbe Magenta bestellt, Galeria Kaufhof in Orange. Payback wollte für Werbedreharbeiten Bälle in Blau, Edeka für Bällebäder in 40 seiner Filialen. Der längste Dauerauftrag lief über Jahre: "Der Chipshersteller 'Pringles' bestellte über drei Jahre immer wieder Schaumstoffbausteine - in Würfelform!"
Inzwischen hat Doller über 100.000 Biobälle auf Lager. Bestellt und gekauft wird sein bunter "Badezusatz" ohnehin meist in riesigen Stückzahlen. Faustformel: "Um einen Kubikmeter zu füllen, braucht man ungefähr 3500 Bälle", weiß Dollar. "Während für einen Kindergeburtstag für einen Swimmingpool einmal 17.000 Bälle geordert wurden, wollte RTL für einen Firmenevent gleich 50.000 haben. Galerie Kaufhof bestellte für Marketing-Bällebäder sogar 230.000 Stück", erzählt Doller.
Die farbenfrohe Kugelpracht kann man auch leihen. Dann liefert Doller die Kugeln mit eigener Crew und eigenem Fahrzeug bis zu Auftraggebern in Österreich aus: "Allein in den sieben Meter langen Anhänger meiner 3,5-Tonnen-Transporter passen über 100.000 Bälle." Zu seinen Kunden zählen auch die Filmstudios in Potsdam-Babelsberg oder Greenpeace. Und Bio ist auch bei Bällebädern längst in Mode. So bestellte RTL für die diesjährige DMEXCO-Messe (Digital Marketing Expo & Conference) in Köln ausschließlich Biobälle.
Bälle mussten sich auch radikalen Falltests unterziehen
Vorteil der Bioware gegenüber den Plastik-Doppelgängern: Während diese im Laufe der Jahre langsam spröde werden, zerbröseln und als Restmüll auf Deponien entsorgt werden müssen, verwittern Biobälle komplett. Wie lange das dauert? Das untersucht Doller gerade in seiner Firma: "Einige der Biobälle liegen seit einem Jahr in unseren Blumenkästen, sind permanent der Sonnenstrahlung ausgesetzt und bislang immer noch hart wie am ersten Tag."
Die Bälle mussten sich auch radikalen Falltests unterziehen und aus großer Höhe herabfallen lassen - unbeschadet. "Aus den geschredderten Rückständen ließen sich später sogar neue Biobälle pressen", sagt Doller.
Noch ist ein 8-Zentimeter-Bioball mit 28 Cent zehn Cent teurer als sein Plastik-Pendant. "Doch gemeinsam mit einem Investor und Experten für Einzel- und Großhandel würde ich das Bioballgeschäft gern weiter ausrollen und damit dem China-Billigmarkt Paroli bieten", wünscht sich Dollar.
Sein künftiger Kompagnon kann sich freuen. Auf ihn wartet ein rundes, buntes Geschäft. Wer würde sich da nicht gern reinstürzen? Infos unter www.baellebad-und-mehr.de.
Titelfoto: Montage: Uwe Meinhold (2)
