Sie ist vom Aussterben bedroht: Forstwirt kümmert sich um Flussperlmuschel-Nachwuchs

Bad Brambach - Thomas Thoß (55) ist Forstwirt im Vogtlandkreis. Doch jedes Jahr tauscht er für rund drei Monate den Wald gegen Pipette und Mikroskop. In der Flussperlmuschel-Zuchtstation am Raunergrund 14 im Bad Brambacher Ortsteil Raun kümmert er sich um Muschel-Nachwuchs. Hier arbeitet das Projekt "MARA – Margaritifera Restoration Alliance" daran, die vom Aussterben bedrohte Art zu erhalten.

Am simulierten Bachlauf saugt Thomas Thoß (55) Wasser mit den Muscheln ab, die von den Fischen gefallen sind.  © Christian Schubert

"Dort, wo die Muscheln leben, ist der Bach ganz sauber", erklärt Thoß. Die Flussperlmuschel filtert das Wasser und stabilisiert den Gewässergrund.

Ihre Fortpflanzung ist allerdings kompliziert: Erst mit etwa zehn Jahren vermehren sich die Tiere. Zunächst schlüpfen winzige Larven, die auf Bachforellen angewiesen sind. Sie heften sich an deren Kiemen und leben dort als Parasiten.

Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr lösen sie sich von den Fischen und sinken auf den Grund des Baches.

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"Ich bin das Frühjahr", erklärt Thoß seine Arbeit. Denn in der Zuchtstation wird die steigende Temperatur im Bachlauf simuliert, damit die Forellen die Muscheln abstoßen.

Dafür musste der Forstwirt sogar einen Fischereischein machen – denn Muscheln gelten rechtlich als Fischereiobjekte.

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Die Muschelbabys sind 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und am besten unter dem Mikroskop erkennbar.  © Christian Schubert

Unterm Mikroskop wird sortiert

Thomas Thoß sitzt am Mikroskop und trennt tote von lebenden Muscheln.  © Christian Schubert

"Was von den Fischen abfällt, wird zunächst in einem Sieb gesammelt und anschließend abgesaugt", erklärt Thoß.

Das Wasser filtert er anschließend, um die winzigen Muscheln herauszutrennen. Unter dem Mikroskop sortiert er kranke oder tote Tiere aus. "Sonst bilden sich Pilze, die die gesamte Charge befallen können."

Die gesunden Muscheln kommen danach in Behälter und für drei Monate in den Brutschrank.

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In dieser Zeit wachsen sie auf etwa einen Millimeter heran. Anschließend übernehmen Forscher des Instituts für Hydrobiologie der TU Dresden die weitere Aufzucht.

Hier erfahrt Ihr mehr über die Zucht

Thomas Thoß zeigt Flussperlmuscheln in unterschiedlichen Lebensstadien.  © Christian Schubert

Zum Tag der offenen Tür am Samstag erklärt Thomas Thoß, wie die winzigen Flussperlmuscheln gezüchtet werden.

Von 11 bis 16 Uhr können Besucher die 0,3 bis 0,5 Millimeter großen Babys unter dem Mikroskop beobachten. Wer besonders wissbegierig ist, kann sich um 14 Uhr den Vortrag über den Schutz und die Zucht der Flussperlmuschel in der Huschermühle Regnitzlosau anhören.

Dazu gibt das Erlebnismuseum Perlmutter in kleiner Form Einblicke in die Themen Flussperlmuscheln, Perlenfischerei und Perlmutter-Verarbeitung.

Parkplätze gibt es am südlichen Ortseingang von Sohl, nahe dem Bahnhof. Von dort führt der Erlebnispfad Flussperlmuschel zur Zuchtstation.

Laufweg: etwa zehn Minuten. Um 12 Uhr gibt es eine Führung.

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