Dresden - Die Sachsen lieben Bier und landen in Verkaufs- und Verbrauchs-Statistiken immer weit vorn. So verwundert es nicht, dass auch angehende Brauer und Mälzer aus ganz Ostdeutschland ihr Handwerk hier lernen. Denn das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Agrarwirtschaft und Ernährung in Dresden ist die einzige Brauerschule im Osten. Und hier wird nicht nur Theorie gepaukt, sondern auch ganz praktisch angepackt - zum Beispiel bei der Hopfenernte auf dem schuleigenen Versuchsfeld.
Es ist 8.30 Uhr morgens, die Sonne lacht und die Arbeitsbühne ist bereits an die Hopfenanlage herangefahren.
In sieben Reihen wachsen hier auf etwa 110 Quadratmetern sieben verschiedene Hopfensorten, die der Hopfenpflanzerverband Elbe-Saale, die Interessensvertretung der Hopfenbauer im zweitgrößten deutschen Anbaugebiet, zur Verfügung gestellt hat.
Fünf Aromahopfen und zwei Bitterhopfen. Letztere sind in diesem Jahr neu hinzugekommen und tragen die kraftvollen Namen Titan und Herkules.
Die Hopfenpflanzen werden schließlich von oben von den Drähten gelöst und unten abgeschnitten. Gleichzeitig werden neue Drähte fürs nächste Jahr angebracht, an denen die Pflanzen ab April wieder emporranken.
Die Pflege, von Unkrautjäten bis Bewässern, übernehmen die angehenden Brauer.
"Sie lassen an ihre Pflanzen am liebsten nur sich selbst", erzählt Sabine Schütze (49), stellvertretende Schulleiterin, schmunzelnd. Anfang Mai müssen die Pflanzen dann im Uhrzeigersinn angebunden werden, ehe sie im Juli beginnen zu blühen.
Hopfen-Dolden können von August bis Oktober geerntet werden
"Erst dann sieht man, wie gut die Pflanze wirklich ist", erklärt Diplom-Braumeister und Fachlehrer Marcus Müller (47). Sind die Dolden schön hellgrün, können sie von August bis Oktober geerntet werden.
Und so friemelt der zweite Ausbildungsjahrgang bei ausgelassener Stimmung und Musik die unzähligen Dolden vom Stängel.
"Man sitzt hier mit der Crew, unterhält sich. Das läuft", meint Amelie Teich (18), die später mal die Hofbrauerei Teich von ihrem Vater übernehmen soll. Bis zum Nachmittag kommen so etwa 70 Kilo frischer Hopfen zusammen.
Ein Teil davon wird zu Pellets getrocknet und haltbar gemacht, der andere landet direkt nebenan in der Schul-Brauerei, wo schon aus Weizenmalz und Wasser die Maische für ein Hefeweizen angesetzt wird.
Mit immer anderer Zusammensetzung brauen die Schüler unterschiedliche Biere - und dürfen diese später auch verkosten, "aber natürlich im gesitteten Rahmen", versichert Braumeister Sebastian Suslik (50).
Infos: bsz-ae-dd.de