Yoga, Instrumente, Bitcoins: Sachsens Hochschulen haben exotische Studiengänge im Angebot
Von Marvin Zubrod
Leipzig - Wer sich im Studium nicht in überfüllte Hörsäle quetschen will, muss auf die Uni nicht unbedingt verzichten. Denn neben Klassikern wie Jura, BWL oder Medizin gibt es an Sachsens Hochschulen viele kleinere Studiengänge. Und die sind teils richtig exotisch. Ein Überblick über die außergewöhnlichsten Angebote zum Semesterstart.
In Leipzig Yoga und Meditation erforschen
Die 16 neuen Studenten des Studiengangs "Kulturen Südasiens und Tibets", können sich schon auf die Yoga-Vorlesung im zweiten oder vierten Semester freuen. Dort lernen sie laut Modulkatalog "verschiedene brahmanische und buddhistische Yoga- und Meditationstraditionen" kennen.
In der Vorlesung wird zudem das "Zusammenspiel zwischen konzentrativer Ruhe" und "analytischer Einsicht" behandelt.
Auf die Frage, ob die Studenten im Seminar selbst meditieren, sagt Institutsleiterin Jowita Kramer, dass "achtsamkeitsbasierte und dyadische Übungen" in die Lehrveranstaltungen integriert würden. Damit sollen "zentrale Konzepte erfahrungsorientiert" erschlossen werden.
Mit dem Institut für Sorabistik gibt es in Leipzig einen weiteren regionalen Schwerpunkt, der nach Darstellung der Universität auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurückblickt. Heute studieren in Leipzig insgesamt 39 Personen die sorbische Sprache.
Die Sorben sind eine anerkannte slawische Minderheit in Deutschland, die seit rund 1500 Jahren in der Lausitz ansässig ist.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Musikinstrumentenbau: Lernen bis sich die Balken biegen
An der Westsächsischen Hochschule Zwickau beschäftigen sich die Studenten im Studiengang Musikinstrumentenbau nicht nur mit Oberflächenästhetik, wie ein Modul des Studiengangs heißt. Sie achten auch genau auf die Akustik.
In der Vergangenheit gab es im Rahmen des Studiums schon ein Projekt, bei dem die Bassbalken verbogen wurden, um den Klang einer Geige zu verändern.
Zu den neueren Vorhaben gehört der Bau einer Geige mit Carbondecke. Das ist zwar nur ein Prototyp, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Hannah Weidauer erläutert. Grundsätzlich sei aber Ziel, dass die Seminarteilnehmer am Ende Produkte entwickelten, die "marktreif" seien.
Ein Student baut je Semester ein eigenes Instrument. Insgesamt sind derzeit 27 Personen über alle Semester hinweg eingeschrieben.
In Dresden Kunstwerke aus der DDR erforschen
Wer in Dresden "Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut" studieren möchte, braucht Ausdauer. Voraussetzung für die Aufnahme des zehnsemestrigen Diplomstudiengangs ist ein zehnmonatiges Praktikum, dazu kommt eine Eignungsprüfung.
Einen Schwerpunkt setzt die Hochschule für Bildende Künste Dresden auf Wandmalerei und Architekturoberflächen. Dazu gehört die Erforschung und Restaurierung von Kunstwerken aus der DDR, wie zum Beispiel Wandbilder an Gebäuden.
Auch an der Restaurierung von gläsernen Figuren aus dem Deutschen Hygiene-Museum waren Studierende der Hochschule beteiligt.
In Mittweida zum Experten für Bitcoin und Blockchain werden
Der Studiengang "Blockchain and Distributed Ledger Technologies" ist derzeit noch eine Männerdomäne. Alle 23 Studenten sind Männer, mehr als die Hälfte ist älter als 30 Jahre, wie Andreas Ittner mitteilt, der Leiter des Blockchain Competence Centers Mittweida.
Blockchain ist eine fälschungssichere Datenbank, die Informationen in einer Kette von Datenblöcken speichert. Die Studenten in Mittweida lernen, solche dezentralen Systeme zu entwickeln und zu steuern. Auch die Kryptowährung Bitcoin basiert darauf.
Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Kahnert/dpa, 123RF/dikushin

