Meerane - Wer kümmert sich künftig um Oma und Opa? Die geplante Pflegereform sorgt für Angst - auch bei denen, die täglich helfen. Beim Meeraner Entlastungs- und Betreuungsdienst ABE stehen sogar Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Standortleiterin Nadine Kießling (44) beschäftigt zehn Mitarbeiter. "Ich erhalte sehr viele Anrufe", erzählt sie. "Die Klienten sind total aufgelöst und fragen: Was wird denn jetzt ab nächstem Jahr?"
Ab 2027 will die Bundesregierung die Pflegeversicherung umbauen. Doch wie die Reform tatsächlich ausfällt, ist noch offen. Kießling befürchtet Einnahmeverluste von bis zu 50 Prozent. Ob sie alle Beschäftigten halten kann, ist ungewiss.
Dabei fehlt es nicht an Arbeit, sondern an helfenden Händen. Kießling sucht deshalb auch Ehrenamtliche: "Wenn wir noch jemanden bekommen könnten, der uns im Ehrenamt helfen möchte, sehr, sehr gern."
"Es wird auf jeden Fall eine Lösung geben, aber an der wird noch gefeilt", sagt sie. Den besorgten Klienten kann sie derzeit keine Versprechen machen: "Ich möchte einfach jetzt nicht irgendwelche Hoffnungen schüren, die es dann gar nicht sind."
Rund 80 Prozent der Arbeit entfallen auf Haushaltshilfen. Hinzu kommen Einkaufsfahrten, Arztbesuche und die Betreuung von Menschen mit Demenz.
Standortleiterin: "Mir liegen die Menschen am Herzen"
Kießling begann selbst in der Hauswirtschaft, arbeitete später in der Pflege und bildete sich zur Pflegeberaterin weiter. Seit 2025 leitet sie den Meeraner Standort.
"Mir liegen die Menschen halt am Herzen", sagt sie. Besonders faszinieren sie deren Lebensgeschichten: "Ein komplettes Leben von 80 Jahren bekomme ich in einer Stunde erzählt."
ABE gibt es seit 2020. Demnächst will Kießling in einem Workshop über Pflegegrade und Unterstützungsleistungen aufklären. "Mir ist sehr wichtig, dass ich so viele Menschen wie möglich damit erreiche."
Ob die Veranstaltung noch im November oder erst 2027 stattfindet, steht noch nicht fest. Anmeldungen sind bereits unter meerane@abe-zuhause.de möglich.