Liebe zu Afrika: Wie heldenhafte Ärztin Kinder rettet

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Sankt Egidien - Sie ist die Mutti von gleich 82 Kindern - von Patenkindern im ostafrikanischen Kenia. Dr. Steffi Löffler (56) vermittelt mit ihrem Verein Patenschaften für Kinder aus dem gebeutelten Land. Hier erzählt die pensionierte Ärztin aus St. Egidien (bei Lichtenstein/Sachsen), wie ihre Liebe zu Afrika begann und wie sie Kinder und Familien vor Ort mit Hilfsgeldern unterstützt. In ihrem neu erschienenen Buch warnt sie zudem vor HIV-Infektionen und raffinierten Beach Boys, die an den Stränden Kenias gutgläubige Frauen ausnehmen.

"Der Engel von Afrika" rettet Kinder aus der Not: Dr. Steffi Löffler (56) mit ihrem eigenen Patenkind, das von der kenianischen Mutti zum Dank für die Hilfe nach der Ärztin benannt wurde - Steffi Waridi (2).
"Der Engel von Afrika" rettet Kinder aus der Not: Dr. Steffi Löffler (56) mit ihrem eigenen Patenkind, das von der kenianischen Mutti zum Dank für die Hilfe nach der Ärztin benannt wurde - Steffi Waridi (2).  © privat

Gerade erst ist sie aus Afrika zurückgekehrt. Im März war Dr. Löffler wie seit nunmehr 26 Jahren wieder einmal in ihrer zweiten Heimat Kenia. Dabei ist sie nie allein. Ihre Reisen auf den Schwarzen Kontinent sind immer auch Familienzusammenführungen.

Dabei lernen Pateneltern erstmals ihre Patenkinder persönlich kennen: "Die ersten Zusammentreffen sind herzzerreißend - viel emotionaler als Briefe schreiben und Fotos schicken."

Die Pendeldiplomatie zwischen deutschen Pateneltern und -kindern begann vor 26 Jahren mit einem Familienurlaub.

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"Wir hatten im Jahr 2000 mit unseren beiden Töchtern eine Pauschalreise nach Kenia gebucht - ein alter Traum aus DDR-Zeiten. Wir lieben Filme wie 'Jenseits von Afrika', die Afrika-Romane von Stefanie Zweig und Tierdokus wie 'Die Serengeti darf nicht sterben' von Grzimek."

In Mombasa angekommen trieben den Löfflers faszinierende Landschaften Freuden-, die unermessliche Armut jedoch Tränen des Schmerzes in ihre Augen. "Wir waren schockiert, aber auch fasziniert von den Menschen, die mit wenig zufrieden waren und trotzdem freudig lächelten."

"Bitterarme Verhältnisse": Ein Güterzug fährt durch einen Slum von Nairobi - im Hintergrund die Wolkenkratzer der Hauptstadt Kenias.
"Bitterarme Verhältnisse": Ein Güterzug fährt durch einen Slum von Nairobi - im Hintergrund die Wolkenkratzer der Hauptstadt Kenias.  © IMAGO/Joerg Boethling

Ärztin aus Sachsen gründete Verein für arme Kinder in Kenia

Mehl und Reis für alle: Monatliche Lebensmittelverteilung im Gebiet der Gemeinde Ukunda.
Mehl und Reis für alle: Monatliche Lebensmittelverteilung im Gebiet der Gemeinde Ukunda.  © privat

Die Löfflers hatten in Afrika die Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) gesehen, doch wieder zurück in Sachsen war ein neuer Traum geboren: "Wir wollten helfen, buchten sofort den nächsten Flug nach Kenia."

Steffi Löffler gründete einen Verein für Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort, den Washa Taa e. V. (bedeutet so viel wie "Ein Licht anzünden für die Kinder Kenias"). Erste Mitglieder waren Ärztekollegen und Mitglieder des Rotary Clubs.

Bald kamen Freunde, Bekannte und Patienten aus der Praxis der Löfflers in St. Egidien dazu, wo Steffi und ihr Mann Jürgen als Hausärzte arbeiteten.

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So wurde aus einem Urlaub ein Herzensprojekt und Hilfe auf Rezept. Zweimal jährlich verordnet sich die Sächsin seither eine Reise nach Kenia.

"Inzwischen haben wir 82 Kinderpatenschaften vermittelt, wobei Geld für Kleidung, Schulbildung und -essen sowie medizinische Behandlung bezahlt wird. Allein in diesem Jahr konnten sechs neue Patenkinder vermittelt werden - im Alter zwischen zwei und 18 Jahren."

Verein übernimmt lebenslange Wohnungsmiete

Diese Familie lebt jetzt in einem neuen vom Verein finanzierten Haus: Dr. Steffi Löffler besucht sie zuvor in ihrer ärmlichen Hütte.
Diese Familie lebt jetzt in einem neuen vom Verein finanzierten Haus: Dr. Steffi Löffler besucht sie zuvor in ihrer ärmlichen Hütte.  © privat

Beim Besuch einer Patenfamilie hörte sie einmal ein Klopfen aus einem nahen Steinbruch. "Ich wollte mit unserer kenianischen Sozialarbeiterin unbedingt hinfahren und erschrak. Da klopften Sechsjährige mit ihren Kinderhändchen Korallensteine ab."

Löffler liefen die Tränen über die Wangen und sie schritt ein: "Wir haben von heute auf morgen mehrere Familien aus ärmlichen Behausungen herausgeholt und in eigene Häuser umgesiedelt." Die Kinder hatten ihr Leben zurück, konnten eine Schule besuchen.

Inzwischen gibt es fünf solcher aus Spendengeldern errichtete Häuser. "Wir bauen sie auf den Grundstücken der Familien, reißen ihre alte Behausung ab. Oft sind nur 20 Quadratmeter Platz." Wer kein Grundstück hat, kann eine Wohnung mieten. So wie derzeit 20 kenianische Familien.

"Die Monatsmiete von 50 Euro trägt der Verein lebenslang." Dafür engagieren sich die Vereinsmitglieder mit ihrer Jahresmitgliedschaft (derzeit 300 Euro). Die Kirchen rund um St. Egidien spenden von ihrer Weihnachtskollekte.

"Die mit zwei Euro kleinste Spende kam von einem Kind aus Verkäufen auf einem Kuchenbasar", erzählt Löffler. "Damit kann man in Kenia schon zwei Malariatherapien finanzieren."

Dr. Steffi Löffler hilft in zwei Kliniken aus

Die Sächsin hilft als Ärztin auch regelmäßig in zwei Kliniken Kenias aus: Patientin mit HIV, die unter Tuberkulose leidet.
Die Sächsin hilft als Ärztin auch regelmäßig in zwei Kliniken Kenias aus: Patientin mit HIV, die unter Tuberkulose leidet.  © privat

Geschenke für die Patenkinder im Fluggepäck brachten sie schon manchmal in Erklärungsnot auf dem Flughafen in Mombasa: "Einmal musste ich erklären, warum ich acht Handys und Tablets mitführte. Man drohte, mir den Pass abzunehmen" Doch typisch für das Land: Ein kleines Trinkgeld löste die peinliche Situation schnell in Wohlgefallen auf.

Während ihrer Kenia-Reisen ist Dr. Löffler Ärztin auf Zeit. Dann hilft sie in den zwei Kliniken, die der Verein errichtete. Sie impft, versorgt Notfallpatienten, behandelt Wundinfektionen und therapiert Tropenkrankheiten wie Malaria.

Vergangenes Jahr rettete eine Spende des Vereins in Höhe von 2000 Euro der 16-jährigen Lucy das Leben. "Lucy benötigte dringend eine Darm-OP, war unterernährt, von Infekten geplagt und wäre sicherlich gestorben", erzählt Dr. Löffler.

Jetzt im März behandelte sie eine 18-Jährige nach einer Bauchhöhlenentzündung erfolgreich mit Antibiotika, ohne sie operieren zu müssen.

Sächsische Ärztin: "Wer ein Herz hat, kehrt nicht ohne eine Patenschaft aus Kenia zurück"

Sind Viehzüchter und halten meist Rinderherden: Krieger der Samburu im Norden Kenias vor traumhafter Naturkulisse. Die Landschaft lässt sich auf Safaris erkunden.
Sind Viehzüchter und halten meist Rinderherden: Krieger der Samburu im Norden Kenias vor traumhafter Naturkulisse. Die Landschaft lässt sich auf Safaris erkunden.  © privat

Inzwischen wurden mit Vereinsgeldern auch eine Schweiß- und Tischlerwerkstatt sowie eine Nähschule aufgebaut. "Im März legten dort 21 Frauen ihre Prüfung ab, zwölf mit dem Prädikat 'Sehr gut'", erzählt Löffler: "Es wird übrigens mit Handnähmaschinen gearbeitet, weil in Kenia oft der Strom ausfällt."

Die Löfflers haben selbst ein Patenkind. Deren Mutter hat es sogar nach der Patenmami benannte: Steffi Waridi. Die Kleine ist heute zwei Jahre alt. Im März begleiteten die pensionierte Ärztin eine 29-jährige Lehrerin aus Schneeberg und eine Medizinstudentin.

Die beiden lernten dabei Kinder in einer Schule kennen und wurden in Kenia spontan "Mutter" von Patenkindern. Steffi Löffler kennt das Phänomen: "Wer ein Herz hat, kehrt nicht ohne eine Patenschaft aus Kenia zurück."

Mehr Infos zum Verein findet Ihr unter: www.washataa.de.

Ihre Eindrücke gibt's auch als Buch

Das Buch "Ostafrikanische Eindrücke - 25 Geschichten aus 25 Jahren" beschreibt eindrücklich das Leben in Kenia.
Das Buch "Ostafrikanische Eindrücke - 25 Geschichten aus 25 Jahren" beschreibt eindrücklich das Leben in Kenia.  © PR

In ihrem Buch "Ostafrikanische Eindrücke - 25 Geschichten aus 25 Jahren" hat Dr. Steffi Löffler die Entwicklungsarbeit des Vereins beschrieben.

Es erzählt zum Beispiel die Geschichte von Ruben Otieno, der sich vom Straßenkind zum Werkstattleiter entwickelte, oder vom Aufbau der Kliniken.

Das Buch liest sich stellenweise wie ein Reiseführer, berichtet vom Aufstieg auf den Kilimandscharo, aber auch von HIV-Infektionen und AIDS in Kenia und der Masche von Beach Boys.

Die gaukeln älteren Frauen am Strand charmant Liebe vor, sind in Wirklichkeit aber nur auf ihr Geld scharf.

Titelfoto: Bildmontage: privat (2)

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