München - In der 77. Minute wurde beim Sieg der Nationalmannschaft gegen Serbien am späten Donnerstagabend in der Münchner Allianz Arena deutsche Fußballgeschichte geschrieben - durch den Sprössling eines Handball-Weltmeisters.
Die Freude war Mika Baur bei seiner Einwechslung anzusehen. Fünf Debütanten wurden vom neuen Bundestrainer Jürgen Klopp (59) beim Erfolg gegen Serbien eingesetzt, in die Geschichtsbücher ging von diesen der 22 Jahre alte Mittelfeldakteur ein.
Der Sohn des ehemaligen Handballers Markus Baur (55) joggte nach einem Küsschen von Klopp auf seine Schläfe als 1000. Spieler, der sich das deutsche Trikot überstreifen durfte, auf das Feld.
"Ich hatte keine Ahnung davon. Ich habe es nach dem Spiel erfahren", erklärte Baur, der im baden-württembergischen Salem geboren wurde und nach einem Zwischenstopp bei Dynamo Dresden vom SC Paderborn im Sommer für rund sechs Millionen Euro zu Celtic Glasgow gewechselt war.
Er freue sich aber natürlich sehr. "Ich kann es kaum beschreiben", tat Baur sich schwer, seine Emotionen zu seinem "surrealen" Debüt in Worte zu fassen und sprach von einem Gefühl, bei dem man hoffe, "dass es nicht weggeht".
Überraschend nominiert, dann Geschichte geschrieben: Mika Baur hat es sich laut Jürgen Klopp verdient
Baur, dessen Nominierung eine der wohl größten Überraschungen gewesen sein dürfte, sei "ein wundervoller Spieler", lobte Klopp nach seinem ersten Sieg als DFB-Coach. "Wahnsinnig schlau, technisch unfassbar gut." Der 22-Jährige habe sich diesen Abend in München "einfach verdient".
Für sein Trikot hat der Neuling derweil schon einen Plan geschmiedet: Das geschichtsträchtige Stück Stoff wird eingerahmt und bekommt danach bei seinen sicherlich sehr stolzen Eltern ein Plätzchen.
Und vielleicht kommt am Sonntag ein weiteres hinzu, wenn die deutsche Auswahl zum Abschluss der Länderspielpause gegen Griechenland (20.45 Uhr) auf Revanche sinnen und dann auch Vater Markus in Thessaloniki auf der Tribüne sitzen wird.
Beim ersten Duell in der Gruppe zwei gegen die Griechen hatten sich Klopp und Co. mit 0:2 geschlagen geben müssen.
Apropos Vater: Markus Baur hatte sein Länderspieldebüt beim Deutschen Handballbund übrigens im Jahr 1994 im Duell mit Marokko gegeben. Es folgten 227 weitere Partien und 2007 sogar bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land die Krönung.
Wenn Sohn Mika ähnlich erfolgreich sein möchte, liegt also ein langer Weg vor ihm. Der erste Schritt ist aber gemacht.