Eintracht-Coach Glasner pocht auf "Pokal-Gen" und beschwört Geister der Vergangenheit

Frankfurt am Main - Als Oliver Glasner (48) am verlängerten Wochenende mit der Familie über den Frankfurter Römer spazierte, kamen Erinnerungen an den Pokalsieg 2018 und den Europa-League-Triumph 2022 in ihm hoch.

Wird Eintracht-Coach Oliver Glasner (48) auch nach dem DFB-Pokalhalbfinale in Stuttgart Grund zum Lächeln haben?
Wird Eintracht-Coach Oliver Glasner (48) auch nach dem DFB-Pokalhalbfinale in Stuttgart Grund zum Lächeln haben?  © dpa/Oliver Weiken

"Da habe ich gedacht: Es wäre schon schön, hier in ein paar Wochen wieder zu stehen", sagte der Eintracht-Trainer vor dem Halbfinale im DFB-Pokal am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD und Sky) beim VfB Stuttgart. "Wenn man so eine Anfrage im Rathaus am Römer gemacht hätte, hätten sie sicher gedacht, wir haben eine Meise in der Birne - so wie wir gerade spielen."

Tatsächlich erschien das 1:1 (1:0) der am Samstag leblos wirkenden Hessen gegen den abstiegsbedrohten FC Augsburg wie ein Tiefpunkt der Ära Glasner. Erstmals musste er die Frage nach seiner Zukunft beantworten. Trotz der langen Negativserie von neun Partien in der Bundesliga ohne Sieg hält er das Krisengerede für übertrieben.

"Ich finde das alles nicht so dramatisch", sagte er am Montag. Vor zwei Wochen wurde noch gesagt, dass ich zu Real Madrid oder dem FC Chelsea gehe und am Samstag musste ich nun beantworten, ob ich Angst habe, dass ich Frankfurt-Trainer bleibe."

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Das sei nicht nachvollziehbar. Die Eintracht stehe in der Liga auf Platz neun, was kein "Volldesaster" sei, man habe das Achtelfinale der Champions League und das Pokal-Halbfinale erreicht. "Für mich ist es aktionistisch und populistisch. Da will man irgendwelche Opfer sehen", klagte Glasner. "Das ist nicht meine Welt."

Der Einzug in das Pokal-Endspiel würde das Krisengerede schnell beenden und die Chance, auf diesem Weg noch auf die europäische Bühne zurückzukehren. "Wir wollen ins Finale nach Berlin und werden alle Kräfte in diesem Alles-oder-Nichts-Spiel geben", sagte er.

Zusätzliche Hoffnung für die Eintracht? Kolo Muani und N'dicka könnten gegen Stuttgart mitwirken

Im Mai 2018 gewann die Eintracht zuletzt den DFB-Pokal. Gelingt den Hessen dieses Kunststück dieses Jahr nochmal?
Im Mai 2018 gewann die Eintracht zuletzt den DFB-Pokal. Gelingt den Hessen dieses Kunststück dieses Jahr nochmal?  © DPA/Arne Dedert

"Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut. Vielleicht lag es an dem Pokal-Gen." Es gebe noch Spieler im Team, die den DFB-Pokalsieg 2018 und den Europa-League-Sieg 2022 erlebt hätten. "Das prägt sich im Herzen ein. Wenn man das miterlebt hat, macht es einen schon etwas süchtig", meinte Glasner.

Seine Hoffnung auf das Weiterkommen wird verstärkt durch die Nachricht, dass der französische Stürmer Randal Kolo Muani (24) vielleicht doch mitwirken kann. Der Vizeweltmeister hatte gegen Augsburg wegen Adduktorenprobleme pausieren müssen. Auch Verteidiger Evan N'dicka (23), der zwei Wochen kaum trainieren konnte, ist wieder fit und eine Option.

"Im Pokal müssen wir ein ganz anderes Gesicht zeigen", forderte Sportvorstand Markus Krösche (42) und fügte resolut hinzu: "Wir müssen ganz anders auftreten und mit aller Macht das Spiel gewinnen." Man habe zuletzt viel geredet, doch jetzt gehe es darum, "keine Alibis und Ausreden zu suchen und uns an die eigene Nase zu packen".

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Wenn man die Leistung gesehen habe, müsse man aber sagen, so Krösche, dass die Mannschaft die Lage wohl nicht begriffen habe. Nationaltorwart Kevin Trapp (32) verneinte dies energisch: "Ich widerspreche nur ungern meinem Chef, aber ich weiß, dass wir in der Mannschaft sicherlich wissen, um was es geht." Zumindest habe man den Willen zur Wende und zu einem Erfolg in Stuttgart: "Wir haben den Charakter, um unser großes Ziel zu erreichen."

Nach der Negativserie und dem schwachen Auftritt gegen Augsburg beabsichtigt der Chefcoach nicht alles umzukrempeln. "Das ist Aktionismus. Wir werden nichts grundsätzlich ändern", betonte Glasner. "Wir werden jetzt das Schiff Frankfurt auch so durch den Sturm manövrieren."

Titelfoto: Montage: DPA/Arne Dedert, DPA/Oliver Weiken

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