Die Nummer eins der DDR: Torwart-Legende Jürgen Croy wird 80!
Zwickau - Goldfinger - mit diesem Begriff wurden die beiden bekanntesten Söhne aus Zwickau-Planitz weltberühmt. Schauspieler Gert Fröbe (†75) als Bösewicht im gleichnamigen James-Bond-Streifen und Jürgen Croy hatten sie, die goldenen Finger. Croy war in den 1970er-Jahren einer der weltbesten Torhüter, wenn nicht sogar der beste. Am Montag wird der Mann, der Zwickau immer die Treue gehalten hat, 80 Jahre alt.
Im Grunde hat er seinen Ortsteil Planitz nie verlassen. Das schafften nicht einmal die DDR-Obigen, die sonst jedem Steine in den Weg legen konnten. Croy nicht, er hatte eine gewisse Macht - oder anders: Er hatte das Können. An ihn kamen sie nicht heran. Auch im Sommer 1972 nicht.
Da sollte er zu Dynamo delegiert werden - offizielle Wechsel gab es damals nicht. "Man drohte mir, dass ich zur Armee eingezogen würde und für eineinhalb Jahre in Thüringen oder in Mecklenburg-Vorpommern bei einer kleinen Armee-Mannschaft Sport treiben könnte. Aber für mich kam nicht infrage, dass ich Zwickau verlasse. Meine Familie sollte dort leben, wo sie sich wohlfühlt", sagt der Jubilar.
Und ganz Zwickau gab ihm Rückendeckung. Vor allem die knapp 13.000 Beschäftigten des Trägerbetriebs Sachsenring. "Ein Produktionsleiter der Sachsenring-Werke hat zu mir gesagt: 'Jürgen, wenn die dich hier wegholen, streikt meine Belegschaft.'"
Ein Streik zu DDR-Zeiten? Undenkbar. Den Aufschrei hätte man auch im Westen vernommen, denn Croy war nicht irgendwer. Und: Zwickau wäre dazu bereit gewesen für seinen Jürgen. Er wählte ein geringeres Übel.
"Klaus Sammer und ich waren damals als einzige Nationalspieler des DDR-Kaders kein Mitglied in der SED. Ich habe dann zugestimmt, in die Partei einzutreten und so meinen Verbleib in Zwickau gesichert."
DDR-Torwart-Legende Croy: "Mir ging es nie ums Geld"
Damit war die Sache vom Tisch. "Aber man hat mich auf andere Weise spüren lassen, dass ich dem Willen der Funktionäre nicht nachgekommen war. Für die Nationalspieler gab es damals monatliche Zuschüsse aus Berlin. Mir wurden die mal gezahlt und dann wieder ein paar Monate nicht. Aber mir ging es nie ums Geld. Mir ging es um Zwickau", so Croy.
Dass er nicht zu Dynamo wechselte, schadete dem DDR-Vorzeigeklub an der Elbe am 14. Juni 1975: FDGB-Pokalfinale in Berlin, Zwickau gegen Dresden. Nach 120 Minuten stand es 2:2. Croy parierte zwei Elfmeter und verwandelte den letzten. Die Sensation war perfekt - und es entstand eines der ikonischsten Fotos der DDR-Sportgeschichte.
Jürgen Croy jubelnd, Dynamo-Torhüter Claus Boden in sich zusammenkauernd am Boden. Die DDR-Bonzen konnten den Sachsenring-Goldfinger nicht verhindern.
Ein Zwickauer durch und durch
Jürgen Croy wurde am 19. Oktober 1946 im Zwickauer Ortsteil Planitz geboren - und lebt dort noch heute. Mit Beginn der Saison 1965/66 löste er den ausgeschiedenen, bisherigen Oberliga-Stammtorwart Peter Meyer ab.
Sein erstes Oberligaspiel war die Begegnung des 2. Spieltages am 18. August 1965 gegen Hansa Rostock (2:1). Auch sein 372. und letztes 1981 spielte er gegen Hansa (1:0). Mit Zwickau wurde er 1967 und 1975 FDGB-Pokalsieger. Im Europapokal der Pokalsieger zog Sachsenring 1975/76 bis ins Halbfinale.
Sein erstes Länderspiel bestritt Croy am 15. Mai 1967 in Helsingborg gegen Schweden (0:1). Er blieb Stammtorhüter bis 1981, bestritt insgesamt 94 Länderspiele. Seine größten Erfolge waren Olympia-Bronze 192 in München und -Gold 1976 in Montreal. Bei der WM 1974 in der BRD bestritt er alle sechs Spiele.
Nach seiner Laufbahn trainierte er von 1984 bis 1988 vier Jahre die BSG Sachsenring. Nach der Wende war er ab 1994 Bürgermeister für Sport, Kultur und Bildung in Zwickau und von 2000 bis 2010 Manager der Stadthalle.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/WEREK, IMAGO/Metelmann
