Nicht Jena, nicht Halle! Dieser Nordost-Club ist die Eigengewächs-Schmiede der Regionalliga

Potsdam - Wächst hier die nächste Talente-Schmiede im Fußballosten heran? Nach einem Fünftel der Saison in der Regionalliga Nordost kristallisiert sich ein "Club der Eigengewächse" heraus, den so gar keiner auf dem Schirm hat.

Marko Perovic (18, blaues Leibchen) und Amadeus Ebel (18, 2.v.r.) zählen zu den Babelsberger Diamanten.  © Imago / Jan Huebner

Klammert man die U23-Vertretungen von Hertha BSC und dem 1. FC Magdeburg aus, die naturgemäß auf Talente aus dem eigenen Stall setzen, trumpft diese Saison vor allen Dingen der SV Babelsberg 03 groß auf.

TAG24 hat unzählige Statistiken gewälzt und Biografien studiert, die belegen: Die Potsdamer sind nach sieben Spieltagen die Nummer eins, wenn es um die Durchlässigkeit von Eigengewächsen geht.

Sieben in Babelsberg ausgebildete Jugendspieler kommen bis dato auf 1745 Einsatzminuten, Bestwert der Liga!

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Auch auf Platz zwei rangiert mit dem BFC Dynamo eine kleine Überraschung, ehe mit Carl Zeiss Jena und dem Halleschen FC die üblichen Verdächtigen folgen.

Angesichts dieser Daten kontaktierte TAG24 Johannes Lau. Der 30-Jährige bildete jahrelang Talente im 03-Nachwuchs aus.

"Die Zahlen überraschen uns nicht, vielmehr sind die vielen Einsatzzeiten junger Spieler auch die Konsequenz aus der Gesamtausrichtung des Vereins. Wir wollen Eigengewächsen und Talenten eine Entwicklungsplattform geben", so der heutige Co-Trainer der Ersten Herren.

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Der SV Babelsberg 03 und BFC Dynamo verfügen über kein NLZ und bilden trotzdem gute Talente aus

Johannes Lau (30) formte viele der Babelsberger Jugendspieler im eigenen Nachwuchs.  © Picture Point / Gabor Krieg

Die Statistik erstaunt vor allem deshalb, weil Babelsberg und der BFC sich im Gegensatz zu Jena, Halle oder Chemnitz kein NLZ leisten können (oder wollen).

Dennoch qualifizierte sich zum Beispiel die U19 von "Nulldrei" mehrfach für die DFB-Nachwuchsliga, die höchste deutsche Spielklasse der A-Junioren. In Moritz Polte (18) schaffte ein hauseigenes BFC-Talent den Sprung zu Mannheim in die 3. Liga.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Talente nicht automatisch Höchstleistungen garantieren und den ein oder anderen Aussetzer in ihrem Spiel haben: "Ein Stück weit sind Fehler gerade bei jungen Spielern normal, die nehmen wir auch in Kauf", so Lau.

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Nach sieben Runden rangieren Babelsberg (Platz 13) und der BFC (Platz zehn) im Tabellenmittelfeld.

Lau führt aus: "Dennoch ist es nicht so, dass nur junge Spieler Fehler gemacht haben. Wir sollten das Positive rausziehen: Maximilian Kalckreuth macht beispielsweise gegen Jena über 90 Minuten ein Wahnsinns-Spiel, stellt gestandene Regionalliga-Stürmer kalt. Leider hat er in der Schlussminute einmal nicht aufgepasst."

Jugendförderung soll kein Selbstzweck sein, ist aber auch eine Folge finanzieller Nachteile

Maximilian Kalckreuth (19, in der Luft stehend) ist eine der Babelsberger Positiverscheinungen.  © Picture Point / Gabor Krieg

Weder Babelsberg noch der BFC verfügen über einen Spitzen-Etat der Liga, die Förderung von jungen Spielern ist auch finanziellen Zwängen geschuldet. Lau betont: "Wir verschenken keine Spielzeit an junge Spieler, sie sind selbst dafür verantwortlich, ob sie spielen, ein gewisses Grundniveau müssen sie mitbringen."

Angesichts des Wettrüstens in der Spitze und voraussichtlich nur eines Absteigers am Ende birgt der Kurs ein überschaubares Risiko. "Wir sehen die Entwicklung sehr positiv, ziehen im Verein in der Sache an einem Strang. Natürlich bedarf es auch immer einem Cheftrainer, der jungen Spielern die Chance gibt", führt Lau aus.

Zudem hätte der ein oder andere Jungspund auch von Verletzungen etablierter Spieler profitiert. Die Marschroute ist dennoch bemerkenswert.

Sowohl in Babelsberg als auch beim BFC betonen sie die herausragenden läuferischen Werte, die auch ein Ergebnis der vielen jungen Spieler sein dürften. Lau: "Wir haben die besten Laufwerte der Liga, die höchste Zahl an Sprints, die meisten intensiven Meter. Wir selbst waren in jedem Spiel der entscheidende Faktor, wie die Partie ausging."

Fehlen nur noch die Punkte.

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Tabelle Regionalliga Nordost

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 FC Rot-Weiß Erfurt 7 23:5 17
2 Chemnitzer FC 7 16:3 17
3 BFC Dynamo 8 13:9 14
4 FC Erzgebirge Aue 7 13:10 14
5 1. FC Magdeburg II 7 17:12 13
6 FC Carl Zeiss Jena 7 10:5 13
7 FSV Zwickau 7 8:9 13
8 Greifswalder FC 7 15:10 12
9 VSG Altglienicke 7 14:10 12
10 Hallescher FC 7 9:5 12
11 1. FC Lokomotive Leipzig 7 13:13 10
12 RSV Eintracht 1949 7 11:15 6
13 SV Babelsberg 03 7 9:12 5
14 Hertha BSC II 7 5:15 5
15 Tasmania Berlin 8 9:25 4
16 BFC Preussen 7 5:12 3
17 FSV 63 Luckenwalde 7 5:18 3
18 BSG Chemie Leipzig 7 2:9 2

Der Meister der Regionalliga Nordost steigt in diesem Jahr direkt in die 3. Liga auf.

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