Kommentar: Union Berlin tütet Rekordtransfer mit Ansah ein - der richtige Schritt?
Berlin - Union Berlin hat am Deadline Day den (wohl) teuersten Transfer der Vereinsgeschichte über die Bühne gebracht, aber ist der Abgang von Ilyas Ansah (21) tatsächlich der richtige Schritt? Ein Kommentar.
Für den Verein lässt sich das mit einem ganz klaren "Ja" beantworten. Zwar ist die genaue Ablösesumme nicht bekannt, die die Köpenicker von Hull City für ihren Flügelstürmer kassieren, aber Sky spricht von bis zu 24 Millionen Euro.
Wenn man bedenkt, dass die Berliner vor Jahresfrist wohl so um die vier Millionen Euro an den SC Paderborn überwiesen haben, dann ist das natürlich ein absoluter No-Brainer.
Grob geschätzt 20 Millionen Euro Gewinn innerhalb von einer Saison, die nach Ansahs Blitzstart mit vier Toren am Ende sogar eigentlich eher durchwachsen war - da mussten die Verantwortlichen um Horst Heldt (56) einfach zuschlagen, auch wenn der sportliche Verlust natürlich nicht zu unterschätzen ist.
Auch für Hull sollte sich das Geschäft eigentlich lohnen. Selbst wenn der Neuzugang nicht zünden sollte, hält sich der Verlust des Premier-League-Aufsteigers in Grenzen, wenn man sich mal die Mondpreise anschaut, die zurzeit im englischen Oberhaus gefordert werden.
So verlangte Brighton & Hove Albion für den zurzeit sogar verletzten Flügelstürmer Yankuba Minteh (22) umgerechnet circa 90 Millionen Euro.
Kommt der Sprung nach England zu früh für Ilyas Ansah?
Eine ähnliche Summe forderte Crystal Palace für Ismaïla Sarr (28) und Manchester City blätterte kurz vor Transferschluss 70 Millionen Euro für Iliman Ndiaye (26) auf den Tisch - da klingen 24 Millionen wahrlich nach einem Schnäppchen.
Dann bleibt natürlich noch die Spielerseite zu betrachten. Der deutsche U21-Nationalspieler selbst sagte bei seinem Abschied, dass er schon als kleiner Junge davon geträumt hat, "als Profi irgendwann einmal in der Premier League spielen zu können".
Dieser Traum geht jetzt also schneller in Erfüllung als erwartet, aber ist es auch für ihn der richtige Schritt, oder hätte er sich vielleicht doch lieber erst noch in der Bundesliga weiterentwickeln sollen?
Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass selbst gestandene Bundesliga-Profis immer wieder Anpassungsschwierigkeiten mit der dynamischeren und körperbetonteren Spielweise auf der Insel hatten. Zu nennen wären hier beispielsweise Naby Keïta (31), Christopher Nkunku (28), Jadon Sancho (26) oder jüngst Jeremie Frimpong (25), Nick Woltemade (24) und selbst ein deutscher Superstar wie Florian Wirtz (23).
Jetzt will und muss sich also Ilyas Ansah bei den "Tigers" beweisen und bekommt es dabei mit gestandenen Premier-League-Knipsern wie Joe Gelhardt (24) oder Oliver McBurnie (30) zu tun. Den Weg des geringsten Widerstands hat der 21-Jährige zweifelsohne nicht gewählt. Bleibt zu hoffen, dass er an der Herausforderung wächst.
Titelfoto: David Inderlied/dpa, Swen Pförtner/dpa (Bildmontage)

