Zweikampf-Werte, Spieltempo und mehr: DIE Mängelliste zum Cottbus-Start
Cottbus - "Es reicht in allen Belangen nicht in dieser Liga Fuß zu fassen, was wir anbieten", ging Cottbus-Coach Pele Wollitz (61) mit seiner Mannschaft nach der 0:3-Abreibung in Bielefeld hart ins Gericht. TAG24 nennt die Mängelliste nach der Zweitliga-Rückkehr.
Körperlichkeit: Energie will Fußball spielen und setzt dabei vor allem auf viele Techniker in der Startelf, denen die nötige Zweitliga-Härte abhanden geht. Hat Wollitz die richtige Mischung gefunden?
Gegen Bielefeld war Routinier Ryan Malone (34) der einzige Akteur, der eine positive Zweikampf-Bilanz aufwies.
Nach zwei Spielen liegt Energie zwar voll im Mittel, was die Zahl der Zweikämpfe angeht, gewinnt aber nur 42 Prozent der direkten Duelle. Gemeinsam mit Ostrivale Dynamo der mit Abstand schwächste Wert der Liga.
Dies hat zur Folge, dass Energie sowohl im Pressing als auch im Gegenpressing zu wenig Bälle gewinnt.
Energie Cottbus muss sich in seiner Handlungsschnelligkeit steigern
Spieltempo und Handlungsschnelligkeit: Für viele Akteure ist die 2. Bundesliga Neuland, sie müssen sich erst an die hohe Geschwindigkeit gewöhnen.
Die Zahlen zeigen, dass es ein Kopfthema ist, keine Einstellungssache oder Fitnessproblem. Energie hat sechs Akteure unter den 100 Schnellsten nach zwei Spieltagen, zieht ligaweit die fünftmeisten Sprints und legt die zehnt meisten Kilometer zurück.
Offensiv leidet deshalb die Kreativität - Cottbus hat mit 0,95 Expected Goals pro Spiel den drittschlechtesten Wert der Liga und profitiert dabei noch vom Elfmeter am ersten Spieltag.
Defensiv läuft und guckt Energie seinen Gegner zu oft hinterher und lässt mit 3,3 Expected Goals gegen sich die meisten gefährlichen Aktionen der Gegner zu.
Körpersprache & Selbstverständnis: Gegen Bielefeld standen zwischenzeitlich fünf Jungs auf der Platte, für die es die erste Spielzeit im Unterhaus ist. Auch schon gegen Hannover war der Respekt riesig.
Im Anschluss appellierte Wollitz an sein Team noch im Kreis, auf dem Platz mutiger aufzutreten. Doch in Erik Engelhardt (28) und King Manu (22) brachen gegen Bielefeld zwei weitere Säulen weg, die auch als Typen wichtig sind.
Für viele Talente ist es das erste Jahr 2. Liga, Wollitz Prophezeiungen treten ein
Qualität und Erfahrung: Energie benötigt schleunigst gestandene Profis, die die 2. Liga kennen und können, der Truppe Sicherheit geben und vorangehen.
Schon am Freitag vor Bielefeld hatte Wollitz den Finger in die Wunde gelegt: "Die Mannschaft braucht eine höhere Qualität, damit eine höhere Qualität im Training stattfindet und dann am Wochenende eine höhere Intensität möglich ist. Ich glaube, das ist der Schlüssel. Das Gefälle ist aktuell zu groß für 2. Liga."
Das macht Hoffnung: Trotz all der alarmierenden Daten hat Energie drei Punkte respektive zwei Punkte mehr auf dem Konto als die vermeintlichen Abstiegskonkurrenten Osnabrück und Fürth.
Intern und im Umfeld herrscht Besorgnis, aber keine Unruhe. Dies ist auch Wollitz cleverer Kommunikationsstrategie zu verdanken. Bereits im Trainingslager schlug der erfahrene Trainer nach einem Testspiel Alarm - damals zur Verwunderung vieler Außenstehender.
Einen Monat später waren die Leistungen gegen Hannover und Bielefeld ernüchternd, aber nicht gänzlich unvorhersehbar.
Titelfoto: Friso Gentsch/dpa

