Sportwissenschaftler über Erkrankung von Jamal Musiala: "Sein Marktwert wird hundertprozentig runtergehen!"

Köln/München - Fußball-Deutschland ist in großer Sorge um Jamal Musiala (23) vom FC Bayern München: Nachdem er zweimal innerhalb weniger Tage auf dem Platz zusammengebrochen war, machte der Offensivspieler öffentlich, dass er unter sogenannten Absencen leidet. Sportwissenschaftler Ingo Froböse (69) von der Sporthochschule Köln ordnet das ein.

Jamal Musiala (23) hat in der vergangenen Woche öffentlich gemacht, dass er unter sogenannten Absencen leidet.  © Tom Weller/dpa

Bei Absencen handelt es sich um kurze Bewusstseinsaussetzer, die in der Regel fünf bis 20 Sekunden dauern. Medizinisch gelten sie als eine Art von Epilepsie. Musiala selbst sprach derweil von einer "neurologischen Dysfunktion".

Grundsätzlich komme diese Erkrankung im professionellen Sport "gar nicht so selten vor", erklärt Froböse gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Kinder und Jugendliche würden allerdings häufiger darunter leiden.

Doch insbesondere im Spitzensport gäbe es "viele Trigger", die eine Absence auch bei Erwachsenen auslösen könnten. Dazu zählen laut dem renommierten Wissenschaftler etwa Hitze, Stress oder eine Vorwettkampfphase - also genau das, was Musiala während seiner kürzlichen Anfälle erlebt hatte. In Fußballstadien könne die Erkrankung zudem durch das flackernde Licht bei Abendspielen begünstigt werden.

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Für den 23-Jährigen könne das durchaus üble Folgen haben, meint Froböse: "Ich bin mir sicher, dass der Gegner und das gegnerische Publikum bei Jamal Musiala genau in diese Wunde hineingehen wird. Sein Marktwert wird hundertprozentig runtergehen."

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Ingo Froböse sicher: Wenn Jamal Musiala nicht genügend psychologische Betreuung erhält, "könnte seine Karriere beendet sein"

Ingo Froböse (69) ist emeritierter Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. (Archivfoto)  © Oliver Berg/dpa

Vor allem aus psychologischer Sicht könne es für den Spielmacher schwierig werden, seine Leistungen wieder abzurufen, weil "alle immer besorgt auf ihn schauen werden". Er werde spüren, dass "man anders mit ihm umgeht und er auch anders mit sich selbst umgehen muss, nämlich viel sensibler und umsichtiger", so Froböse, der sicher ist: "Auf jeden Fall wird das für Musiala mental und psychologisch eine viel größere Herausforderung werden als körperlich."

Sollte der 23-Jährige dabei auf psychologischer Ebene nicht gut genug unterstützt werden, sieht der Wissenschaftler schwarz: "Wenn das nicht gelingt, könnte seine Karriere beendet sein."

Grund dafür sei, dass die Anfälle auch durch Stress ausgelöst würden und es ohnehin schon eine Extremsituation sei, als Fußballprofi auf dem Platz zu stehen. "Gerade in fremden Stadien, wenn Konfrontationen entstehen, wird Musiala eine ganz engmaschige mentale Begleitung brauchen", meint Froböse.

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Dabei würden Menschen, die unter Epilepsie leiden, prinzipiell sogar von körperlicher Aktivität profitieren. "Sport ist gut, weil er zu einer größeren Resilienz und Belastbarkeit führt", erklärt der 69-Jährige. Man müsse dabei aber zwischen den Sportarten unterscheiden: Unproblematisch seien etwa Ballsportarten, Joggen, Krafttraining oder Teamsportarten, während das Fahrradfahren und alle Formen von Wassersport für ihn "absolute No-Gos" wären.

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