Aue - Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Erzgebirge Aue erlebt ein Wechselbad der Gefühle. Der komplett neu zusammengestellten Mannschaft gelang der Saisonstart und es wurde Tuchfühlung zur Regionalliga-Spitze hergestellt. Da war vieles in Butter. Die Heimpleite gegen Chemie und das Pokal-Aus in Eilenburg haben die Stimmung gekippt.
Zumindest, wenn man in die sozialen Medien hineinhorcht. Das Echo nach dem 1:2 gegen Chemie Leipzig nahm Cheftrainer Khivicha Shubitidze (52) zum Anlass, sich schützend vor seine in Teilen noch sehr junge Mannschaft zu stellen.
Er gesteht ihr nach wie vor Fehler zu, weil sie sich nach dem XXL-Umbruch im Sommer mit 17 Neuzugängen noch finden muss.
Hätte man die Liga und den Pokal dominieren wollen, müssen die Weichen ganz anders gestellt werden. Nicht wenige Spieler haben noch nie für einen Verein gespielt, der so eine Strahlkraft, solch einen Zuschauerschnitt und eben auch so ein gäriges Umfeld besitzt.
Wenn Meuselwitz (gegen die Zipsendorfer testet Aue am Mittwochnachmittag) oder Luckenwalde verlieren, prasseln hinterher keine knapp 500 Facebook-Kommentare auf einen ein, wie das beim Pokal-Aus in Eilenburg der Fall gewesen ist. Das wussten Kaderplaner Steffen Ziffert (62) und Co. Dass sich Shubitidze vor seine Mannschaft stellt und sich als Projektionsfläche für alle Kritiker hergibt, nötigt Respekt ab.
Grundverkehrt wäre es jetzt, den Kopf zu verlieren. Wieso? Die Veilchen sind mit 21 Punkten solide in die Saison gestartet - besser sogar als jeder andere Drittliga-Mitabsteiger. Die Mannschaft performt - bei allen ihr auferlegten Beschränkungen.
Gleicher Fehler wie in den vergangenen Jahren: Kein Backup für Marcel Bär
Man wollte es sich leisten, Martin Männel (38) auf die Bank zu setzen. Der 38-Jährige ist in der Regionalliga Nordost nicht nur der erfahrenste Torhüter, sondern auch leistungstechnisch immer noch oberstes Regal. Trotzdem hieß es von Ziffert: "Martin Männel wird 2026/27 nicht als Nummer eins gesetzt sein."
Gleichzeitig wurde der Fehler der vergangenen beiden Saisons wiederholt, kein Backup für Torjäger Marcel Bär (34) zu verpflichten.
Christoph Pauling (26) ist zwar aus Meuselwitz für seine Schnelligkeit bekannt, in Aue, dass es meist mit tief stehenden Gegnern zu tun hat, kommt das bisher nur selten zum Tragen. Linus Queißer (22), der vergangenes Jahr für Babelsberg elf Tore in 26 Partien erzielte, kommt über die Außen.
"Ob wir jetzt noch mal die Schatulle aufmachen und irgendwelche Spieler herzaubern, da sollten wir alle nicht in Panik verfallen, sondern ganz ruhig bleiben, denn wir haben eine sehr gute Grundlage gelegt", sagte Shubitidze vor dem "Deadline Day" Anfang September auf TAG24-Nachfrage.
Süßes, sonst gibt's Saures!
Dreieinhalb Wochen später hieß es von ihm: "Wir wollen bis zur Winterpause mit oben unter den Top drei bleiben. [...] Grundsätzlich ist es aber angedacht, dass wir uns vielleicht noch mal verstärken wollen - auf welcher Position, weiß ich noch nicht, denn in zwei Monaten kann noch viel passieren, sich einer verletzen."
Nach den Oktober-Spielen gegen Greifswald (A), Halle (H), Zwickau (A) und Jena (H) heißt es im Lößnitztal: Süßes, sonst gibt's Saures.
Entweder wird man den Ambitionen, den direkten Wiederaufstieg anzugehen, gerecht, sodass man im Winter wirklich noch mal die vulnerablen Punkte (Defensive/Bär-Backup) angeht oder aber man beißt in den sauren Apfel und vertagt den Aufstieg auf die nächste Saison.
Tabelle Regionalliga Nordost
| POS | VEREIN | Sp. | +/- | Pkt. | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
|
FC Rot-Weiß Erfurt | 11 | 36:11 | 27 | |
| 2 |
|
Chemnitzer FC | 11 | 25:5 | 26 | |
| 3 |
|
Hallescher FC | 11 | 18:9 | 22 | |
| 4 |
|
BFC Dynamo | 11 | 20:12 | 21 | |
| 5 |
|
VSG Altglienicke | 11 | 20:14 | 21 | |
| 6 |
|
FC Erzgebirge Aue | 11 | 20:16 | 21 | |
| 7 |
|
FC Carl Zeiss Jena | 11 | 19:10 | 19 | |
| 8 |
|
Greifswalder FC | 11 | 23:16 | 19 | |
| 9 |
|
1. FC Lokomotive Leipzig | 11 | 23:23 | 15 | |
| 10 |
|
FSV Zwickau | 11 | 13:17 | 15 | |
| 11 |
|
1. FC Magdeburg II | 11 | 20:23 | 13 | |
| 12 |
|
SV Babelsberg 03 | 11 | 14:17 | 12 | |
| 13 |
|
BFC Preussen | 11 | 14:17 | 10 | |
| 14 |
|
BSG Chemie Leipzig | 11 | 12:17 | 9 | |
| 15 |
|
Hertha BSC II | 11 | 9:21 | 9 | |
| 16 |
|
RSV Eintracht 1949 | 11 | 13:29 | 6 | |
| 17 |
|
Tasmania Berlin | 11 | 13:36 | 5 | |
| 18 |
|
FSV 63 Luckenwalde | 11 | 9:28 | 3 | |
Der Meister der Regionalliga Nordost steigt in diesem Jahr direkt in die 3. Liga auf.