"Immer Glück ist Können": Zieht Aue heute beim Heimspiel an 1860 München vorbei?

Aue - Als der FC Erzgebirge Aue nach dem 9. Spieltag von der Grünwalder Straße nach Hause fuhr, waren die letzten Stunden von Trainer Timo Rost (44) angebrochen. Er musste gehen. Aue war nach dem 1:3 bei 1860 München Letzter mit drei Punkten, die Löwen mit 22 Zählern Zweiter.

Ein gewohntes Bild inzwischen in Aue: Das Trainerteam um Pavel Dotchev (57, r.) feiert nach Abpfiff. Fünf der letzten sechs Begegnungen haben die Veilchen gewonnen.
Ein gewohntes Bild inzwischen in Aue: Das Trainerteam um Pavel Dotchev (57, r.) feiert nach Abpfiff. Fünf der letzten sechs Begegnungen haben die Veilchen gewonnen.  © picture point/Sven Sonntag

Am heutigen Samstag kann der FCE mit einem Sieg an den Münchnern vorbeiziehen. Nach fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen hat sich Aue ins Mittelfeld verabschiedet. Zu einem Aufstiegsrang sind es mittlerweile genauso viele Punkte Differenz, nämlich zwölf, wie zum ersten Abstiegsplatz.

Mit dem Abstiegskampf dürften die Veilchen nichts mehr zu tun haben, auch wenn das Trainer Pavel Dotchev (57) anders sieht. "Nein", antwortet er auf die Frage, ob Aue jetzt durch sei. Der Bulgare weiß aber eben, dass seine Truppe oftmals das nötige Spielglück hatte.

Fünf Begegnungen - davon die letzten drei im eigenen Stadion - endeten 2:1. Aber da gibt es den herrlichen Spruch von Trainer-Legende Hermann Gerland: "Immer Glück ist Können." Dotchev sieht es ähnlich, auch wenn er dazu einen lockeren Spruch bringt: "Ach wissen Sie, ich würde gern nach 70 Minuten 3:0 führen und da schon überlegen, wo ich mein Glas Bier trinke. Das ist bei uns aber nicht so."

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Diesem Gedanken konnte er nur beim 4:0 gegen Bayreuth nachgehen, die anderen Siege standen mitunter auf Messers Schneide. "Du musst es schaffen, das Glück zu zwingen. Das ist uns ein paar Mal gelungen, definitiv", sagt er.

"Das schaffst du nur mit harter und ehrlicher Arbeit. Jedes Spiel in dieser Liga ist sehr ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen. Ich wünsche mir auch deutliche Siege, aber solange wir punkten, ist für mich alles in Ordnung."

3:1 siegte 1860 München daheim an der Gründwalder Straße gegen Aue in der Hinrunde - und hatte danach 19 Punkte Vorsprung auf den FCE. Die sind fast aufgebraucht. In dieser Szene läuft Albion Vrenezi (29, l.) Alexander Sorge (29, M.) davon.
3:1 siegte 1860 München daheim an der Gründwalder Straße gegen Aue in der Hinrunde - und hatte danach 19 Punkte Vorsprung auf den FCE. Die sind fast aufgebraucht. In dieser Szene läuft Albion Vrenezi (29, l.) Alexander Sorge (29, M.) davon.  © picture point/Sven Sonntag

Vertrag von Aue-Trainer Dotchev läuft Ende Juni aus

Das Hinspiel in München war das letzte von Timo Rost (44).
Das Hinspiel in München war das letzte von Timo Rost (44).  © picture point/Sven Sonntag

Und weil es so prima im Gebirge läuft, fragen sich nicht nur viele Fans: Wo würde der FCE stehen, wenn Dotchev nach dem Abstieg geblieben und nicht abgesägt worden wäre? "Das ist spekulativ", sagt Kapitän Martin Männel (35).

"Einen Neuanfang mit einem so großen Umbruch zu moderieren, ist schwierig. Es sind ja trotzdem alles Spieler, die Timo Rost geholt hat. Das braucht auch seine Zeit", Männel weiter.

Und Dotchev als einfühlsamen, aber auch rigorosen Macher. Dessen Vertrag läuft Ende Juni aus. Derzeit scheint es unvorstellbar, dass die neuen Verantwortlichen so leichtsinnig agieren wie die alten und den Trainer vor die Tür setzen. Das Thema steht sicher schon auf der Agenda.

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Aber für das Spiel am Samstag hat Aue nur ein Ziel: Gegen 1860 München gewinnen und den Gegner in der Tabelle überholen. Das schien am Abend des 16. Septembers 2022 unvorstellbar.

Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

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