FCM-Fan Hannes S. stürzt aus Regionalbahn und stirbt: Bringt ein Podcast jetzt neue Erkenntnisse?
Barleben - Am 1. Oktober 2016 stürzte der damals 25-jährige FCM-Fan Hannes S. nach einem Fußballspiel aus einer Regionalbahn und starb wenige Tage später im Krankenhaus. Bis heute ist unklar, was sich damals wirklich zugetragen hat - und wer verantwortlich war. Die Moderatorinnen von "Mord auf Ex" gehen nun in einem neuen Podcast auf Spurensuche.
"Das ist keine Fußball-Geschichte", beginnen die Moderatorinnen Leonie Bartsch (32) und Linn Schütze (30) ihren neuen Podcast, "Es ist die Geschichte von Hannes - ein junger Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort war."
Bartsch und Schütze, die eher für ihren Podcast "Mord auf Ex" bekannt sind, wurden vor mittlerweile vier Jahren von einer Person aus Hannes' Umfeld kontaktiert und gebeten, den Todesfall erneut aufzuarbeiten, um so Hannes Eltern zu helfen.
Gemeinsam mit einem Team recherchierten die Journalistinnen jetzt mehrere Jahre und haben ihre Erkenntnisse in dem neuen Podcast "Der Zug - Wie starb Hannes?" veröffentlicht. Das Projekt ist eine Produktion der Süddeutschen Zeitung und von Auf Ex Productions.
Leicht waren ihre Recherchen keinesfalls. Das Team und auch Hannes Angehörige stehen vor "einer Mauer des Schweigens". "Die Eltern haben unglaubliche Anstrengungen unternommen, diese Mauern niederzureißen, doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr Kraft raubt es ihnen."
"Mauer des Schweigens" um tragischen Tod von Hannes S.
Bartsch und Schütze rekonstruieren in insgesamt fünf spannenden Podcast-Folgen, was an diesem Herbsttag vor zehn Jahren in nur 41 Sekunden geschah.
Der damals 25-jährige Hannes S. war großer Fan vom 1. FC Magdeburg. Am Nachmittag des 1. Oktober 2016 fuhr er mit der RB 16431 von seiner Heimat Barleben (Sachsen-Anhalt) nach Magdeburg zu einem Spiel der Blau-Weißen gegen Erzrivale Halle.
Von diesem Match kam Hannes nie wieder. Während der Fahrt öffneten sich plötzlich die Türen des Zugs und der junge Mann stürzte hinaus. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und starb etwa zwei Wochen später in einem Krankenhaus.
"Was in diesen Sekunden in diesem Zug passiert ist, das wissen wohl nur ein paar Männer, die dabei waren, aber seit zehn Jahren schweigen", vermuten die Podcasterinnen.
Bis heute gab es weder Geständnisse noch einen Prozess oder eine Verurteilung.
Podcast "Der Zug" will neue Hinweise aufgedeckt haben
Bartsch und Schütze behaupten, in ihrer Recherche neue Hinweise aufgedeckt zu haben, die noch nicht einmal der Polizei vorliegen würden. Um einen Austausch mit den Ermittlern hätten sie sich bemüht.
Wie die Polizeiinspektion Magdeburg jedoch auf TAG24-Anfrage erklärte, habe es keine Zusammenarbeit zwischen den Beamten und dem Podcast gegeben.
"Nach der Veröffentlichung des Podcasts sind bei der ermittelnden Dienststelle bislang keine neuen Erkenntnisse [...] eingegangen", hieß es abschließend. Die Ermittlungen dauern aber an und Bartsch und Schütze seien weiterhin an einem Austausch interessiert.
Im Podcast beleuchtet das Team nicht nur Hannes' Tod, sondern auch sein Leben, seine Familie und Freunde, aber auch die umstrittene Fanszene.
Die fünfte und letzte Folge von "Der Zug - Wie starb Hannes?" wird am Donnerstag ausgestrahlt. Alle Episoden sind dann bei der Süddeutschen Zeitung oder allen anderen Podcast-Plattformen verfügbar.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / Zoonar, IMAGO / Stephan Wallocha

