Sören Gonther sieht Ex-Klub FC St. Pauli bereits in Liga eins: "Können sich nur noch selber schlagen"

Hamburg - Fünf Jahre lang spielte Sören Gonther (37) für den FC St. Pauli. Für den heutigen Sky-Experten ist der Aufstieg der Kiezkicker nur noch eine Frage der Zeit. Mit TAG24 sprach er im Interview über die Gründe des Erfolgs, den HSV und das Spiel am Sonntag gegen den SC Paderborn.

Der ehemalige St.-Pauli-Verteidiger und heutige Sky-Experte Sören Gonther (37, l.) hält große Stücke auf Fabian Hürzeler (31).
Der ehemalige St.-Pauli-Verteidiger und heutige Sky-Experte Sören Gonther (37, l.) hält große Stücke auf Fabian Hürzeler (31).  © IMAGO / Beautiful Sports

TAG24: Moin Sören! Wer oder was kann den FC St. Pauli eigentlich noch stoppen?

Sören Gonther: Nur noch sie selber. Sollten sie den Vorsprung auf die leichte Schulter nehmen oder die Ernsthaftigkeit, die sie mit einer herausragenden Konstanz gezeigt haben, dann vielleicht. Aber alleine die Reaktion auf das Schalke-Spiel war die einer Spitzenmannschaft. Deswegen können sie sich nur noch selber ein Bein stellen.

TAG24: Was macht sie so stark, dass sie zum Beispiel auch auf schwerwiegende Ausfälle reagieren können?

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Gonther: Die Mannschaft ist sehr fokussiert und blendet das ganze Drumherum aus. Selbst als die Trainer-Thematik eine große Nummer war, hat das das Team überhaupt nicht an sich ran gelassen und so tritt sie auch in den Spielen auf, total geschlossen. Jeder kennt jeden Ablauf. Ich glaube, es könnte auch jeder auf einer anderen Position spielen. Er wüsste, was er tun hätte und das ist sie Basis dafür und auch dafür, dass sie die Ausfälle so gut kompensieren können. Die Jungs, die reinkommen, funktionieren sofort, weil sie die Abläufe im Schlaf können.

Da ist ein Selbstverständnis im Spiel, was mit den Erfolgserlebnissen gewachsen ist. Das ging letztes Jahr schon mit der Siegesserie los, und das hast du jetzt einfach drin. Da wirft dich auch so eine Niederlage wie gegen Schalke nicht aus der Bahn.

Dann spielst du danach gegen Hertha, als ob sie eine Klasse tiefer spielen würden. Insofern ist das dieses Jahr auch das erste Mal, dass eine St.-Pauli-Mannschaft konstant über zwei Hälften der Saison spielt. Das ist insgesamt schon eine extrem runde Sache.

Ex-St.-Pauli-Profi Sören Gonther von Marcel Hartel beeindruckt: "Bester Spieler der Liga"

Der mittlerweile 37-Jährige spielte insgesamt fünf Jahre für den FC St. Pauli.
Der mittlerweile 37-Jährige spielte insgesamt fünf Jahre für den FC St. Pauli.  © Axel Heimken/dpa

TAG24: Welcher Spieler beeindruckt dich in dieser Saison am meisten?

Gonther: Da kommst du nicht drumherum, egal, wie gut das ganze Konstrukt ist, Marcel Hartel zu nennen. Was die Quote betrifft, und der Junge turnt ja schon ein paar Jahre in der zweiten Liga rum, zählt er jedes Jahr zu den besten Spielern auf seiner Position. Aber diese Quote als offensiver Mittelfeldspieler an Toren und Vorlagen, das ist herausragend. Er ist sicherlich diese Saison der beste Spieler der zweiten Liga. Ich bin gespannt, ob St. Pauli ihn halten kann. Am Ende ist mein Gefühl, dass es so laufen wird wie bei Fabi, und er bleibt, weil er weiß, was er an dem Verein hat.

TAG24: Wie erstligareif ist der Kader schon und benötigt es noch Verstärkungen?

Erik Ahlstrand steht beim FC St. Pauli vor dem Neustart
FC St. Pauli Erik Ahlstrand steht beim FC St. Pauli vor dem Neustart

Gonther: Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mit dieser Mannschaft und ihrer Spielweise absolut ihre Punkte holen würden. Insofern, glaube ich, ist die Mannschaft schon sehr gut aufgestellt. Aber klar, wenn man den Sturm sieht, da brauchst du schon Jungs, die Tore schießen.

Und ich glaube auch, dass sie in letzter Linie noch Tempo brauchen. Wahl, Mets und Smith sind keine Sprinter und wenn dann in der Bundesliga die 35- oder 36-km/h-Jungs um die Ecke kommen, macht es schon Sinn, auch auf den Flügeln, noch jemanden zu holen, der diese Geschwindigkeit auch hat.

Sören Gonther sieht den HSV in der Verfolgerrolle: "Rückstand musst du erstmal aufholen"

Der 37-Jährige sieht den HSV unter Zugzwang.
Der 37-Jährige sieht den HSV unter Zugzwang.  © IMAGO / Beautiful Sports

TAG24: Wie schätzt Du die Lage beim Lokal-Rivalen HSV ein? Packen sie diese Saison endlich den Aufstieg?

Gonther: Das hängt auch ein Stück weit an Kiel. Die fünf Punkte Rückstand musst du erstmal aufholen, weil Holstein jetzt erstaunlich stabil ist und du erstmal zwei Spiele mehr gewinnen musst. Klar, du hast noch das direkte Duell, aber dann müssten sie nochmal patzen, und du darfst es halt nicht mehr. Insofern stehen sie schon ein bisschen unter Zugzwang. Dennoch ist dieses Jahr wieder mit dem HSV zu rechnen und nach den zwei Enttäuschungen in der Relegation gehe ich davon aus, dass sie alles dafür tun werden, um dieses Mal den dritten Platz zu vermeiden - dahingehend, dass sie eher einen Platz höher als tiefer landen.

TAG24: Welches Team siehst Du noch in der Verfolgerrolle?

Gonther: In dieser Liga dreht sich der Wind so schnell. Das hat man an Greuther Fürth gesehen, die lange in der Verlosung waren und jetzt durch ihre Negativserie raus sind. Ich weiß nicht, ob Paderborn oder der KSC noch eingreifen können, deswegen würde ich es auf Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 beschränken, wobei Hannover die letzte Konstanz fehlt.

Sören Gonther tippt beim Duell seiner beiden Ex-Vereine auf einen St.-Pauli-Sieg

Vor seiner Zeit am Millerntor spielte Gonther (l.) auch fünf Jahre für den SC Paderborn.
Vor seiner Zeit am Millerntor spielte Gonther (l.) auch fünf Jahre für den SC Paderborn.  © Jonas Güttler dpa/lnw

TAG24: Du hast Paderborn gerade angesprochen. Im Duell zweier deiner Ex-Klubs treffen sie am Sonntag auf St. Pauli. Was traust Du ihnen am Millerntor zu?

Gonther: Paderborn ist in einem Spiel immer alles zuzutrauen. Das haben auch die letzten Partien am Millerntor gezeigt. Lukas Kwasniok kann für eine Begegnung immer einen gewissen Plan entwickeln, mit dem er es dem Gegner unfassbar schwermacht. Ich traute Paderborn auch zu, in Hamburg zu punkten. Sie kommen stark über Kollektiv, aus dem jede Woche ein anderer Spieler herausragen kann. Das macht sie zusammen mit dem Hirn von Kwasniok, der sich wieder was Spezielles für das Spiel überlegen wird, so gefährlich.

TAG24: Wie wirst Du das Spiel verfolgen und wie lautet Dein Tipp?

Gonther: Am Fernseher. Wir spielen Samstag mit Hessen Kassel in Bahlingen und Ostersonntag nach dem Ostereiersuchen mit den Kids sitze ich natürlich auf dem Sofa und schaue mir das Spiel an.

Ich bin so ein schlechter Tipper, am Ende wird sich St. Pauli aber mit 2:1 durchsetzen.

Titelfoto: IMAGO / Beautiful Sports

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