Zwickau/Aue - Das Bezirksderby ist ein Duell auf Augenhöhe, nur anders, als sich das die Verantwortlichen vorgestellt hatten. Erzgebirge Aue ist auf Platz acht, der FSV Zwickau einen Platz dahinter. Ernüchtert sind beide, nur rumort es im Schacht deutlich mehr als in der Robert-Schumann-Stadt.
Die aktuelle sportliche Platzierung spiegelt bei keinem von beiden die Erwartungshaltung wider. In Zwickau sagen sie in einer ersten Bestandsaufnahme: "Angesichts unserer bewusst bodenständigen Etatplanung und vorherigen Einordnung ist das kein völlig unerwartetes Szenario!"
Die Klubbosse sagen aber auch: "Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft ihr vorhandenes spielerisches Potenzial und auch die mögliche Punkteausbeute noch nicht ausschöpft. Denn machen wir uns nichts vor: In diesen Belangen hatten wir uns alle ein bisschen mehr erhofft. Mannschaft, Verantwortliche und Fans gleichermaßen."
Geschäftsführer André Beuchold hob zu Saisonbeginn hervor, man wolle sich nicht am Wettrüsten beteiligen, weshalb der Etat für die erste Mannschaft nur um 15 Prozent auf nach TAG24-Infos circa 1,5 Millionen Euro erhöht wurde.
FSV-Sportchef Lenk kennt Aue gut
Ganz anders lesen sich die Zahlen bei Drittligaabsteiger Aue. Dort wurde im Frühjahr bereits ein Gesamtetat von zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt, wovon rund drei Millionen für die Profis ausgegeben werden, wie es unter anderem der MDR berichtete und was sich mit TAG24-Infos deckt. Aue ist damit - und wegen der Aussage von Kaderplaner Steffen Ziffert (62), dass man aufsteigen will - klar einer der Ligafavoriten.
Robin Lenk (42) ist seit 2023 Sportchef beim FSV Zwickau. Davor war er Co-Trainer unter Joe Enochs (55). Einen Namen gemacht hat er sich aber vor allem als langjähriger Assistenztrainer im Schacht, so zum Beispiel unter Pavel Dotchev (61) oder Domenico Tedesco (41).
Er kennt die Vereinsseele und kann annähernd erahnen, wie die Gemengelage vor dem Bezirksderby ist.
"Aue ist ein stolzer Traditionsverein, der das geschafft hat, wovon viele Ost-Klubs nach der Wende geträumt haben. Man konnte sich in der 2. Bundesliga etablieren - auch weil man die richtigen Entscheidungen traf, egal ob auf sportlicher oder administrativer Ebene", sagt Lenk.
Lenk: "Sind gefordert, männlich aufzutreten"
Er meint: "Die Entwicklung, die der Verein in den letzten vier Jahren genommen hat, tut doch jedem weh, der mal für diesen Verein gearbeitet hat. Das ist doch nicht wegzudiskutieren."
Aue ist aufgrund der jüngsten Ergebnisse an einem ähnlichen Punkt wie zu Pfingsten, als es ins Pokalfinale gegen die Schwäne ging. Ein Derbysieg kann vieles kitten. Das wissen sie in Zwickau-Eckersbach und sie sind aufgrund der Finalniederlage vom Mai dahingehend auch ein gebranntes Kind.
Lenk: "Wir treffen auf einen Gegner, der alles tun wird, um genau dieses Spiel nicht auch noch zu verlieren. Ich erwarte, dass sie anders auftreten als zuletzt. Gleichzeitig sind wir gefordert, männlich aufzutreten und dem Gegner so das Leben schwer zu machen."