Reese-Verlobte knöpft sich Hertha-Fans vor: "Das hat für mich jede Grenze überschritten"
Berlin - Damit war zu rechnen! Fast 71.000 Zuschauer wollten am Samstagabend das Spitzenspiel Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg (2:1) sehen. Es wurde zum erwarteten Spießrutenlauf für Fabian Reese (28).
Schon beim Aufwärmen wurde der einstige Fanliebling mit Pfiffen begrüßt. Auch die Namensverlesung bei der Aufstellung fiel entsprechend laut aus.
Im Spiel wiederum wurde er gnadenlos bei jedem Ballontakt ausgepfiffen. Ein ganzes Stadion - abgesehen von den Wolfsburg-Anhängern - gegen Reese! Und das in seinem einstigen Wohnzimmer. Dort wo er sich sonst nach Toren bei den Fans verbeugt hatte.
Zu viel für sein Verlobte Johanna Grünewald, die das Spitzenspiel im Stadion verfolgte. Sie hat für das Dauerpfeifkonzert kein Verständnis: "Ich bin immer noch sprachlos über das, was heute passiert ist. Das hat für mich jede Grenze überschritten", schrieb Grünewald in ihrer Instagram-Story. "Für uns als Familie war das einfach nur schrecklich."
Reese selbst äußerte sich nicht. Schon vor Wochen hatte der Flügelstürmer seinen Instagram-Account deaktiviert, rechnete allerdings schon im Vorfeld mit lautstarken Pfiffen.
Nur, dass es so heftig werden würde, hätte seine Verlobte wohl nicht erwartet. Allerdings: Schmähgesänge, Beleidigungen, entsprechende Plakate oder Aonstiges blieben aus. Die Hertha-Fans pfiffen nur gnadenlos - die komplette Spielzeit über. "Und wer jetzt mit 'Ihr habt aber selber Schuld' kommt, sollte sich vielleicht mal fragen, wie viel Menschlichkeit bei all dem noch übrig bleibt."
Fabian Reese erlebt bittere Rückkehr ins Olympiastadion
Im Sommer verließ Reese nach drei erfolglosen Versuchen mit Hertha aufzusteigen sein geliebtes Berlin - nachdem der Ex-Kapitän ein Jahr zuvor noch bis 2030 verlängert hatte und es selber pathetisch über das Stadionmikrofon verkündet hatte. Statt sich aber den oft erwähnten Traum von der Bundesliga zu erfüllen, ging der 28-Jährige lieber nach Wolfsburg. Ein Ligakonkurrent und ein Verein, der ohnehin von den Fans kritisch betrachtet wird.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Hertha hat die acht Millionen Euro Ablöse gut gebrauchen können. Schon im Vorfeld versuchte der Hauptstadtklub die Wogen zu glätten. "Was meine persönliche Verbindung zu Fabi betrifft: Die ist nach wie vor gut. Es ist nichts hängen geblieben", erklärte Herthas Coach. "Ich freue mich, dass er zurückkommt und ich ihn nicht nur am Telefon habe."
Die Pfiffe blieben Reese dennoch nicht erspart, doch ohne das Pfeifkonzert erlebte der einstige Fanliebling einen bitteren Abend.
Nach zwei Minuten hätte er das Stadion bereits zum Schweigen bringen können. Die Latte verhinderte jedoch die Ausgerechnet-Geschichte. Stattdessen ließ Reese beim ersten Gegentor Josip Brekalo (28) zur Flanke kommen und verlor unmittelbar vor dem 2:0 kurz vor der Pause auch noch den Ball - an Torschütze Deyovaisio Zeefuik (28).
Titelfoto: IMAGO / Nordphoto

