Berlin - Ist das schon der Hertha-Dusel? Die Berliner schlagen im Top-Spiel den VfL Wolfsburg mit 2:1, brauchen aber in der Nachspielzeit die Gnade des Schiedsrichters.
Was war passiert? In der vierten Minute der Nachspielzeit machte sich Wolfsburgs Kento Shiogai (21) noch einmal auf in den Strafraum, legte sich den Ball mit rechts auf den linken Fuß, wurde aber von Niklas Kolbe (29) relativ klar getroffen. Der Japaner fiel hin, der Pfiff blieb aber aus.
Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck (39) ließ weiterspielen, auch der VAR griff nicht ein, was für Empörung bei den Gästen sorgte. Die ganze Bank sprang auf, schoss sogar einen Ball aufs Feld, um das Spiel sofort zu unterbinden, den Fabian Reese (28) aber sofort wieder ins Aus schoss.
"Für mich ist es ein klarer Elfmeter, was für mich völlig unverständlich ist, dass er sich das nicht anschaut. Also, das ist eine Situation, die muss ich mir anschauen", sagte Wölfe-Trainer Tobias Strobl.
"Und dann, wenn er so entscheidet, dann bin ich auf die Argumentation gespannt. Aber es nicht mal anzuschauen, das fand ich so ein bisschen fatal in diesem Moment, weil am Ende des Tages ist ein Topspiel und da entscheiden genau diese Kleinigkeiten."
Es wäre die große Chance auf den Ausgleich gewesen, die den Gästen, die ab der 22. Minute nur noch zu zehnt waren, verwehrt blieb. "So wird das Spiel entschieden durch eine absolute Fehlentscheidung", ärgerte sich Maximilian Arnold (32) bei Sky.
Leitl über Elfer-Szene: "Wenn es Elfmeter gibt und er pfeift, brauchen wir uns nicht beschweren"
Nur Hertha-Coach Stefan Leitl (49) hatte nach Schlusspfiff eine andere Meinung. "Ich sehe es komplett anders. Für mich ist es kein Elfmeter, weil keine aktive Bewegung von Niklas Kolbe stattfindet. Es ist Dynamik, ja, aber er schlägt nicht, sondern er knickt ab", sagte Leitl bei Sky.
So ähnlich hat es auch Jöllenbeck auf dem Feld wahrgenommen. Der Kontakt war dem Unparteiischen nicht ausreichend genug. Auf der Pressekonferenz räumte dann aber auch der Übungsleiter ein, dass Hertha das Glück auf seiner Seite hatte.
"Ich glaube, wenn es Elfmeter gibt und er pfeift, brauchen wir uns nicht beschweren", so Leitl, der dann aber nochmal aufs Regelwerk verwies: "Jetzt hat er nicht gepfiffen. Es kommt kein Hinweis, dann ist es keine klare Fehlentscheidung und somit kein Elfmeter."
Doppeltes Glück für Hertha: Die Feld-Entscheidungen der Schiedsrichter sollen wieder mehr Gewicht mehr bekommen. Da Jöllenbeck den Kontakt durchaus wahrgenommen hat, griff auch der VAR nicht ein. In der vergangenen Saison wäre das vermutlich noch anders gewesen, selbst wenn Jöllenbeck den Elfmeter verweigert hätte.
Es ist als hätte Hertha sich das Schiri-Glück in den letzten drei Jahren erarbeitet. Denn alles in allem war der Sieg über Wolfsburg völlig verdient. Nach dem 3:0 auf dem Betzenberg setzt die noch immer ungeschlagene Hertha mit nun schon 31 Punkten das nächste dicke Ausrufezeichen!