Vom Hertha-Bubi zum Nationalspieler: "Mehr als ein Traum für mich"
Berlin - Wer hätte das gedacht: Vor zwei Jahren kickte Derry Scherhant (23) noch in der 2. Bundesliga für Hertha BSC und musste um Einsatzzeit kämpfen - jetzt ist er Nationalspieler.
Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp (59) lud den Linksaußen als einen von 44 Spielern zu seinem ersten Lehrgang bei der DFB-Elf ein und erfüllte dem 23-Jährigen damit einen sehnlichen Wunsch.
"Für meinen Teil bin ich dankbar, dass ich dabei sein durfte. Es ist mehr als ein Traum für mich, wenn ich realisiere, wo ich herkomme", erklärte der Flügelflitzer nach dem 0:0 gegen Griechenland in der Nations League und spielte dabei auch auf seine schwierige sportliche Vergangenheit in Berlin an.
Scherhant kickte in seiner Jugend für mehrere Vereine in der Hauptstadt, unter anderem für Tennis Borussia und Victoria Berlin, konnte sich aber nie richtig durchsetzen - an U-Nationalmannschaften war damals überhaupt nicht zu denken.
Sein holpriger Weg führte ihn schließlich zur Alten Dame - der Wechsel vom Berliner SC zu den Hertha-Bubis kam im Oktober 2020 allerdings nur zustande, weil während der Corona-Pandemie die Transferperiode verlängert wurde.
Sein Profi-Debüt für die Blau-Weißen gab Derry unter Trainer Sandro Schwarz (47) im August 2022 zwar sogar noch in der Bundesliga, wurde aber direkt durch eine Muskelverletzung zurückgeworfen und kam lange Zeit nicht über die Jokerrolle hinaus.
DFB-Legende Lothar Matthäus attestiert Derry Scherhant "Riesenspiel" gegen Griechenland
Dieser Zustand änderte sich erst in der Saison 2024/25 unter Cristian Fiél (46) und später dem aktuellen Coach Stefan Leitl (49). Scherhant zahlte das Vertrauen mit neun Buden und sieben Vorlagen in Liga und DFB-Pokal zurück.
Durch seine gute Leistung wurde im Sommer 2025 schließlich der SC Freiburg auf den Außenstürmer aufmerksam, der sich in dem ruhigen Umfeld im Breisgau bei Julian Schuster (41) und seinem Trainerteam rasch weiterentwickelte.
Beim SC durfte der gebürtige Berliner auch erste internationale Luft in der Europa League schnuppern. Am Ende der vergangenen Spielzeit konnte er neun Scorer-Punkte (sieben Tore, zwei Vorlagen) in 49 Pflichtspielen vorweisen.
Seine Karriere beim DFB verlief indes weiter schleppend - je zwei Einsätze in der U20 und U21 standen zu Buche, bis Klopp nach einem hervorragenden Saisonstart in Freiburg zum Vorspielen bat.
Mit seiner starken Leistung, besonders gegen Griechenland, begeisterte der Ex-Hertha-Bubi jetzt sogar DFB-Legende Lothar Matthäus (65), der ihm ein "Riesenspiel" attestierte und sich sicher war, dass er auch "ein Kandidat für den kleineren Kader im November" sein wird.
Beinahe hätte Derry Scherhant gegen die Hellenen auch den ersten Scorer-Punkt in der Nationalmannschaft aufgelegt - seine starke Vorarbeit zum vermeintlichen Führungstreffer durch Jonathan Burkardt (26) wurde jedoch durch ein vorangegangenes Handspiel im Mittelfeld zunichtegemacht.
Titelfoto: Christian Charisius/dpa

