Ex-Torwart Martin Pieckenhagen verrät: Darum ist der HSV bei St. Pauli nur Underdog

Hamburg - Er weiß, wie es geht! Martin Pieckenhagen (54) hat mit dem HSV zweimal gegen den FC St. Pauli gespielt und zweimal gewonnen. Beim letzten Sieg der Rothosen am Millerntor in der ersten Liga stand der mittlerweile 54-Jährige zwischen den Pfosten und hielt früh in der Partie einen Elfmeter. TAG24 sprach mit dem Ex-Keeper und heutigen Geschäftsführer Sport von Regionalligist Kickers Offenbach über seine Derby-Erinnerungen und auf wen es am Freitag ankommen wird.

Martin Pieckenhagen (54), jetziger Geschäftsführer Sport des Regionalligisten Kickers Offenbach, stand beim letzten HSV-Sieg am Millerntor im April 2002 zwischen den Pfosten.  © IMAGO / Hartenfelser

TAG24: Moin Herr Pieckenhagen! Wenn man weiß, am kommenden Spieltag steht das Derby an, wie geht man in so eine Woche hinein? Braucht es da überhaupt noch eine Portion Extra-Motivation?

Martin Pieckenhagen: Am Ende des Tages haben sich die Zeiten ein Stück weit geändert. Ich glaube, die Fans sind extrem motiviert und bei den Spielern sollte es auch so sein. Aber, im Vergleich zu meiner Zeit, war es damals eine größere Motivation beim Derby. Es ist nicht mehr ganz so emotional, weil die Identifikation der einzelnen Spieler ein Stück weit nachgelassen hat.

Im Prinzip guckst du natürlich, wenn der Spielplan rauskommt, als Erstes wann das Derby ist. Ich war entsprechend motiviert, weil es zum damaligen Zeitpunkt keine zwei Meinungen gab, dass die Spiele gewonnen werden mussten.

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Als Aufsteiger bist du eigentlich immer der Underdog. Auch gegen St. Pauli, das bereits die zweite Saison in Folge im Oberhaus spielt. Aber rein emotional ist für mich der HSV gegen St. Pauli immer der Favorit.

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Ex-HSV-Torwart Martin Pieckenhagen spricht über gehaltenen Elfmeter

In der zwölften Minute hielt der damalige HSV-Keeper einen Elfmeter von Thomas Meggle.  © WITTERS

TAG24: Welche Erinnerungen haben Sie noch an das 4:0? Es war ja klar, dass der HSV St. Pauli mit einem Sieg mehr oder weniger in die zweite Liga schießen konnte.

Pieckenhagen: Damals war die Situation ja so, dass St. Pauli nicht der größte Rivale des HSV war. Sie waren eine Fahrstuhlmannschaft, die immer wieder auf- und abgestiegen sind und eher der Stadtrivale. Dementsprechend war die Motivation umso größer, klarzustellen, wer die Nummer eins in der Stadt ist. Natürlich war es damals ein besonderer Anreiz, wenn man den größten Rivalen in der Stadt und den emotional stärksten Gegner dahin schießen kann, wo er letztlich auch hingehört, zumindest war das die damalige Denkweise vor dem Spiel. (Augenzwinkern)

TAG24: Mit dem gehaltenen Elfmeter nach zwölf Minuten gegen Thomas Meggle (50) hatten Sie einen großen Anteil. Wie ausgelassen haben Sie den Derbysieg gefeiert?

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Pieckenhagen: Ich habe beim 4:0 kein Tor geschossen. (lacht) Außerdem war der Elfmeter schlecht geschossen. Natürlich war der Druck groß, das Spiel gewinnen zu müssen, man hat von uns nichts anderes als einen Sieg erwartet. Entsprechend groß war die Erleichterung nach dem deutlichen Sieg, den wir auch entsprechend gefeiert haben.

Martin Pieckenhagen tippt auf einen HSV-Sieg am Millerntor

Pieckenhagen tippt auf einen Sieg seines Ex-Vereins am Millerntor.  © Carmen Jaspersen/dpa

TAG24: Sie haben den HSV als Aufsteiger und damit zugleich als Underdog beschrieben. Wie beurteilen Sie die Ausgangslage vor dem Derby und worauf wird es ankommen?

Pieckenhagen: Das Spiel an sich ist ein Stück weit losgelöst von der Tabellensituation. Es wird eine sehr emotionale Partie. Der HSV sollte sich, aus seiner Tradition heraus, als die Mannschaft sehen, die das Spiel gewinnen muss. Rein sportlich ist er aber wie erwähnt als Aufsteiger der Herausforderer, auch wenn er momentan ein paar Plätze über St. Pauli steht.

Für den HSV geht es darum, die drei Punkte zu holen und sich weiter abzusetzen. Das Spiel am Millerntor hat natürlich eine gewisse Brisanz, aber die Motivation, das Derby zu gewinnen, sollte groß sein.

TAG24: Auf wen wird es aus Ihrer Sicht ankommen?

Pieckenhagen: Mitentscheidend wird sein, auf welcher Seite der Torwart den besseren Tag erwischt. Beide Vereine haben gute Torhüter, in solchen Derbys können sie das Zünglein an der Waage sein. Wenn einer einen überragenden Tag hat, können sie das Zünglein an der Waage sein.

TAG24: Wie lautet denn Ihr Tipp für das Derby?

Pieckenhagen: Ich sage, der HSV gewinnt mit 3:1.

TAG24: Herr Pieckenhagen, vielen Dank für das Interview!

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