HSV-Manni Kaltz wird 70: "Ich kann mich überhaupt nicht mehr mit dem Fußball identifizieren"

Hamburg - Am liebsten sollten sie krumm sein und mit viel Drall: die Bananenflanken von Manfred Kaltz. Ihr "Erfinder" feiert am Freitag seinen 70. Geburtstag - und er mag die Verbindung seiner Schusstechnik mit dem Krumm-Obst noch immer.

Manfred Kaltz (70) ist neben seinen herrlich gebogenen Flanken vorrangig durch seine Schnelligkeit als rechter Außenverteidiger bekannt geworden.
Manfred Kaltz (70) ist neben seinen herrlich gebogenen Flanken vorrangig durch seine Schnelligkeit als rechter Außenverteidiger bekannt geworden.  © Bernd Thissen/dpa

"Die Beschreibung mit den Bananenflanken stört mich nicht. Es hat sich so eingebürgert und es bleibt auch so. Damit muss man leben, es gibt Schlimmeres", sagte der ehemalige Fußballprofi der Deutschen Presse-Agentur und fügte hinzu: "Das ist ja ein großer Wiedererkennungswert. Dann weiß jeder, um wen es geht."

Der Ex-Fußballer hat 581 Bundesliga-Spiele für den Hamburger SV absolviert. In der Auflistung der Rekordspieler der ersten Liga hält er den zweiten Platz hinter Charly Körbel (602) von Eintracht Frankfurt.

Kaltz ist neben seinen herrlich gebogenen Flanken vorrangig durch seine Schnelligkeit als rechter Außenverteidiger bekannt geworden. Zudem gehörten Elfmeter zu seiner Stärke: 53 verwandelte Strafstöße sind Bundesliga-Rekord.

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"Manni Flanke, ich Kopf, Tor!", beschrieb vor Jahren das einstige "Kopfball-Ungeheuer" Horst Hrubesch (71) das Rezept, das den HSV Ende der 1970er und in den 1980er-Jahren zu großen Erfolgen führte. In seiner Karriere holte Kaltz mehr Titel als jeder andere Fußballer mit dem HSV.

Ins Volksparkstadion zum aktuellen Zweitligisten HSV geht Kaltz nur noch selten. "Ich hoffe, dass sie dieses Jahr aufsteigen. Auf Dauer ist zweite Liga langweilig. Wenn es dieses Jahr mit dem Aufstieg nichts wird, wann dann?", fragt er.

"Schmach von Cordoba"

8. Oktober 1977, NA, Berlin: Der italienische Torhüter Dino Zoff (80, r.) ist gegen den Schuss von Manfred Kaltz (3.v..l) machtlos.
8. Oktober 1977, NA, Berlin: Der italienische Torhüter Dino Zoff (80, r.) ist gegen den Schuss von Manfred Kaltz (3.v..l) machtlos.  © dpa/dpa

Mit ihm erlebte der Hamburger Club deutlich erfolgreichere Zeiten: Der gebürtige Ludwigshafener holte mit dem HSV drei deutsche Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal, den Europacup der Pokalsieger 1977 und 1983 den Europapokal der Landesmeister. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde Kaltz 1980 Europameister, 1982 kam der Vize-Weltmeistertitel hinzu.

Der 69-fache Nationalspieler blickt nie gerne auf die unangenehme Zeit nach der "Schmach von Cordoba" zurück, als der deutsche Titelverteidiger 1978 in Argentinien überraschend von den von Hans Krankl (69) angeführten Österreichern durch ein 2:3 im WM-Zwischenrundenspiel nach Hause geschickt wurde.

"Ich habe mir die ersten zwei Wochen die Brötchen holen lassen, ist doch klar", erzählte der oft schmallippige Kaltz vor vielen Jahren bei einer Aufzeichnung der ZDF-Serie Markus Lanz.

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Kaltz galt nie als der große Erklärer, er gab viel lieber Antworten auf dem Platz. Seine Medien-Trägheit brachte ihm auch den Spitznamen "der Schweiger" ein.

Der "kicker" verwies in seinem Geburtstagsporträt auf einen dazu passenden Spruch von Kaltz:

"Auf das, was die Presse schreibt, kann man sich eh ein Ei backen. Ich wurde fürs Fußballspielen bezahlt. Und nicht fürs Reden."

"Ich kann mich überhaupt nicht mehr mit dem Fußball identifizieren"

Die deutsche Fußball-Nationalmannnschaft 1980 im Olympiastadion in Rom. Stehend (v.l.) Uli Stielike (68), Harald Schumacher (68), Hans-Peter Briegel (67), Karl-Heinz Rummenigge (67), Karlheinz Förster (64), Horst Hrubesch (71); Hockend: Klaus Allofs (66), Bernd Schuster (63), Bernhard Dietz (74), Manfred Kaltz (70), Hans Müller (65).
Die deutsche Fußball-Nationalmannnschaft 1980 im Olympiastadion in Rom. Stehend (v.l.) Uli Stielike (68), Harald Schumacher (68), Hans-Peter Briegel (67), Karl-Heinz Rummenigge (67), Karlheinz Förster (64), Horst Hrubesch (71); Hockend: Klaus Allofs (66), Bernd Schuster (63), Bernhard Dietz (74), Manfred Kaltz (70), Hans Müller (65).  © Roland Witschel/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Dieter Burdenski (72), DFB-Kollege und Kaltz' langjähriger Widersacher vom Konkurrenten Werder Bremen, beschreibt ihn "nicht gerade als Stimmungskanone". Vielmehr lobt er seine kluge Spielweise: "Ich habe es nie wieder erlebt, dass ein Abwehrspieler so wenig grätschen musste. Die Hose war immer sauber von ihm. Er hatte internationale Klasse."

Das aktuelle Fußballgeschäft macht Kaltz manchmal fassungslos. "Ich kann mich überhaupt nicht mehr mit dem Fußball identifizieren. Mich wundert, dass die Stadien so voll sind. Wenn man heute diese Ablösesummen liest, das ist doch einfach Wahnsinn", schimpft der einstige Rechtsverteidiger.

Nach der damals ereignisreichen Zeit beim HSV zwischen 1971 und 1989 folgten zwei Stationen in Frankreich für die Clubs FC Girondins Bordeaux und FC Mulhouse, ehe er beim HSV seine Karriere beendete.

Auf große Posten im Fußballgeschäft hatte es "Manni" nicht abgesehen. Er betreibt schon länger eine Fußballschule. Eine Karriere als Maler, wie sein ehemaliger HSV-Kollege Rudi Kargus (70), komme für ihn nicht infrage. "Meine Frau malt, das reicht", kommentiert er auf seine bekannte nüchterne Art.

Die Geburtstagsfeier steigt bei ihm in Hamburg, aber nur im engsten Familienkreis. Auch im Ruhestand lässt es der Bananenflanker ruhig angehen: "Alles ganz entspannt", berichtet er.

Kaltz spielt oft Golf - und ab und an Fußball. "Gesundheitlich bin ich in Bestform", sagt er kurz und knapp. Ein typischer Kaltz.

Titelfoto: dpa/dpa

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