Völlig überraschend: Ex-Dynamo Tim Boss ist nicht mehr die Nummer eins bei Wehen Wiesbaden!

Wiesbaden - Wer hätte das vor dem Saisonstart gedacht? Tim Boss (28) hat seinen Platz als (klare) Nummer eins beim SV Wehen Wiesbaden vorerst verloren. Stattdessen hütete Konkurrent Florian Stritzel (27) an den ersten beiden Drittliga-Spieltagen das Gehäuse.

Tim Boss (28) kam in zwei Jahren lediglich einmal für Dynamo Dresden zum Einsatz. Am 34. Spieltag der Saison 2019/20 durfte er als Bonbon beim 2:2 gegen den VfL Osnabrück ran.
Tim Boss (28) kam in zwei Jahren lediglich einmal für Dynamo Dresden zum Einsatz. Am 34. Spieltag der Saison 2019/20 durfte er als Bonbon beim 2:2 gegen den VfL Osnabrück ran.  © Lutz Hentschel

Die Entscheidung vom erfahrenen Coach Rüdiger Rehm (42) kam für nahezu alle Experten überraschend.

Schließlich war Boss in der Vorsaison unumstrittener Stammkeeper und Leistungsträger, was wettbewerbsübergreifend 42 Einsätze und ein exzellenter kicker-Notenschnitt von 3,07 für seine 37 Liga-Partien belegen. Zudem kassierte er lediglich 49 Gegentreffer und spielte satte elfmal zu Null.

Neuzugang Stritzel trumpfte jedoch in der Vorbereitung auf, weshalb das Trainerteam nun auf den relativ unerfahrenen 27-Jährigen setzt. Der kam bei Hamburger SV nie über die zweite Mannschaft hinaus, war auch beim Karlsruher SC und zuletzt beim SV Darmstadt 98 nur Ersatzmann.

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So hat der frühere deutsche U18-Nationalschlussmann neben seinen zwei Drittliga-Partien lediglich neun Einsätze in der 2. Bundesliga, 21 in der Regionalliga Nord und 56 in der Oberliga Baden-Württemberg vorzuweisen. Boss kann sich nun nur noch im Training anbieten, denn Ausrutscher leistete sich Stritzel bislang nicht.

Im Gegenteil. Er hielt an den ersten beiden Spieltagen jeweils einen Punkt fest. Erst gab es ein torloses Remis beim SC Freiburg II, dann ein 0:0 gegen den TSV 1860 München. Da wird es für Boss schwer, sich wieder heranzukämpfen. Doch der gute Drittliga-Keeper hat schon einige Rückschläge in seiner Karriere erlitten und wird vermutlich auch mit dem Neuesten umgehen können.

Tim Boss war nur selten die klare Nummer eins bei einem Verein

Tim Boss (28) war 2020/21 Stammkeeper und Leistungsträger beim SV Wehen Wiesbaden. Umso überraschender war seine Degradierung in diesem Sommer.
Tim Boss (28) war 2020/21 Stammkeeper und Leistungsträger beim SV Wehen Wiesbaden. Umso überraschender war seine Degradierung in diesem Sommer.  © Lutz Hentschel

Schon in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen war er weder in der U17, noch in der U19 Stammkraft. Stattdessen musste er in die A-Jugend des Wuppertaler SV wechseln, um endlich regelmäßig spielen zu können. Es sollte auch in den kommenden Jahren ein Auf und Ab bleiben.

2012/13 war er zu Beginn Ersatzkeeper in der Regionalliga West bei Fortuna Düsseldorf II, erkämpfte sich mit zunehmendem Saisonverlauf aber den Platz zwischen den Pfosten.

In der folgenden Spielzeit pendelte er zwischen Bank, Tribüne und Nummer eins hin und her. Wenig verwunderlich, dass er sich im Sommer 2004 der SG Wattenscheid 09 anschloss, wo er unumstritten war und so gute Leistungen zeigte, dass ihn der damalige Drittligist SC Fortuna Köln holte. Hier profitierte er von der Verletzung André Poggenborgs (37) und stand zehnmal im Kasten, ehe der Routinier wieder zwischen die Pfosten rückte.

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Es entwickelte sich ein enger Zweikampf, sodass Boss immer wieder ran durfte. Erst 2017/18 war er die klare Fortuna-Nummer eins und war ein überragender Drittliga-Schlussmann (kicker-Notenschnitt von 2,72). So holte ihn Dynamo Dresden nach dem Abgang von Marvin Schwäbe (22) im Sommer 2018. Dort konnte er sich im Duell mit Markus Schubert (23) allerdings nicht behaupten und rutschte in der Hierarchie teilweise sogar hinter Patrick Wiegers (31).

Als Schubert 2019 den Verein verließ und zum FC Schalke 04 wechselte, reagierte die SGD erneut und schnappte sich Kevin Broll (25), der sich gegen Boss und Wiegers behauptete und noch heute die Nummer eins im Dynamo-Kasten ist. Boss wechselte hingegen nach dem Zweitliga-Abstieg im Sommer 2020 nach Wiesbaden, wo es sportlich gut lief - bis zur Entscheidung vor der gerade angelaufenen Saison. Ob er sich "seinen" Platz in den nächsten Wochen zurückerobern kann?

Titelfoto: Lutz Hentschel

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