Dresden - Tiefe Trauer in Schwarz und Gelb! Hansi Kreische lebt nicht mehr. Dynamos Top-Torjäger starb nach langer Krankheit in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 78 Jahren. Ihm zu Ehren spielt Dresden am Samstag gegen die Hertha mit Trauerflor. Zudem wird es eine Gedenkminute geben.
"Hansi war ohne Zweifel einer der größten Sportler seiner Zeit. Als junge Kerle haben wir zu ihm aufgeblickt, wie zu kaum jemand anderem. Wenn er den Platz betrat, waren magische Momente nicht weit. Auch nach seiner aktiven Zeit hat er sich in den Dienst der Sportgemeinschaft gestellt, als Cheftrainer, Scout und Unterstützer des Nachwuchses", sagt Ralf Minge (65) zum Tode seines Idols: "Ich wünsche seiner Familie viel Kraft in dieser schweren Stunde. Hansi Kreische wird für alle Schwarz-Gelben auf ewig unvergessen bleiben."
Vergleiche hinken immer ein bisschen, wenn versucht wird, den Wert eines Menschen für einen Verein darzustellen. Aber Hansi Kreische war für Dresden das, was Jupp Heynckes für Mönchengladbach war oder Fritz Walter für Kaiserslautern.
Wer Kreische sagt, meint Dynamo und umgedreht. Ein Leben lang in und für Schwarz-Gelb.
Am 19. Juli 1947 in den Nachkriegswirren in Dresden geboren, ging es mit den Eltern über West-Berlin und Heidelberg wieder zurück nach Dresden. 1957 kam er zu Dynamo - und blieb treu im Grunde bis zu seinem Tod.
Hansi Kreische bleibt bei Dynamo Dresden mit unerreichten Zahlen und lockerer Zunge in Erinnerung
Die 70er Jahre gehörten ihm und der SG Dynamo. Fünfmal DDR-Meister, einmal FDGB-Pokalsieger, viermal Torschützenkönig der Oberliga, DDR-Fußballer des Jahres 1973, insgesamt 344 Spiele (37 im Europapokal), 188 Tore und 74 Vorlagen.
Die Daten von Kreische sind bis heute unübertroffen. Mit 262 Torbeteiligungen ist er der unangefochtene Top-Scorer der SGD - und wird es wohl auch für alle Ewigkeiten bleiben.
"Ich hatte nicht auf jedes Training Lust, aber immer auf den Ball", hatte Kreische einst gesagt: "Ich habe es geliebt, bei jedem Angriff irgendwie dabeizusein."
Kreische kommt zudem auf 50 Länderspiele, in denen er 28 Tore erzielte. Sein international größter Erfolg war Bronze bei Olympia 1972 in München. Sein überraschendes Karriereende im November 1977 kam nach einem Streit mit Trainer Walter Fritzsch, mit dem er bisweilen auf Kriegsfuß stand.
So wie im September 1970, daheim im Messepokal gegen Partizan Belgrad. Dynamo führte beim 6:0 zur Pause schon 4:0 - drei Tore Kreische. Fritzsch zu Kreische: "Ihre Defensivarbeit missfällt mir." Kreische zu Fritzsch: "Jetzt ist es so weit, Trainer. Sie müssen sich dringend eine Brille besorgen."
Trainer bei Dynamo Dresden, aber immer schonungslos ehrlich
Kreische blieb Dynamo treu, wurde in den Trainerstab aufgenommen. Er hatte bereits 1980 das Diplom zum Sportlehrer erworben. Seine Diplomarbeit befasste sich mit der "Geschichte der SG Dynamo Dresden zwischen 1946 und 1979". Was sonst.
Hansi war auch da, als Dynamo seine bitterste Stunde nach dem Lizenzentzug 1995 erlebte. Von der Bundesliga ging es in die Regionalliga. Minge als Sportchef holte Kreische als Trainer. Doch bereits sieben Spieltage vor Saisonschluss wurde er am 15. April 1996 wieder entlassen.
Von jenem Tag ist folgender Satz überliefert: "Ich kann aus Scheiße keene Bonbons machen." So war er, der Hansi. Schonungslos ehrlich. "Ich war kein Ja-Sager", sagte er über sich.
Das war er auch als jahrelanger Kolumnist für die Morgenpost (gehört zu TAG24, Anm. d. Red.). Wöchentlich gab er mit spitzer Feder, flotten Sprüchen, trockenem Humor und Offenheit seine Meinung zu Dynamo wieder und zerlegte damit so manchen, der es nicht gut mit seinem Verein meinte. Mach's gut, Hansi! Ruhe in Frieden!