Kiel - "Der Gewinner schreibt die Geschichte", sagte ein redseliger Kiel-Trainer Tim Walter (50) nach dem 3:0 seiner Mannen gegen die von der Statistik her überlegenen Dresdner. Sein Gegenüber, Dynamos Coach Thomas Stamm (43), war wortkarg, beantwortete eine Frage patzig.
Sicherlich ist die Pleite ärgerlich, die aber er und seine Spieler zu verantworten haben. Und niemand anderes!
Und deshalb schrieb diesmal auch der Verlierer seine Geschichte. Robert Wagner (23) hatte beim Elfmeter beim Stand von 0:1, der die Partie hätte kippen lassen können, den Ball schon in der Hand, während Niklas Hauptmann (30) sich vom Tatort entfernte.
Warum schoss "Haupe" dann doch? Gab es noch Absprachen? Zwei simple Fragen. Nicht kritisch, nicht böse formuliert. Es kam aber keine simple Antwort: "Haben Sie das in der Vorwoche gesehen?", antwortete Stamm genervt. "Dann gucken Sie es sich an", fügte er noch in barschem Ton an. Daneben!
Danach waren die Fragen an ihn beendet. Es hätte noch einige gegeben. Aber der Frust in seiner Antwort reichte. Wir wollten ihn nicht noch mit mehr Zorn in den Flieger in Richtung Heimat steigen lassen.
Dynamo Dresden: Fragen über Fragen nach der Pleite, aber keine Antworten mehr
Wir hätten aber noch einige gehabt. Zum Beispiel zu Vincent Vermeij (32). Der Stürmer war wieder enorm fleißig, arbeitete, rackerte, kämpfte, wurde aber nie wirklich mit Flanken eingesetzt. Warum nicht?
Warum wechselte er Christoph Daferner (28) in einem Moment ein, in dem es nichts mehr bringt? "Dafi" war exakt 21 Sekunden auf dem Feld - dann ertönte der Abpfiff. Wieso macht man so etwas? Dürfte für Daferner erniedrigend gewesen sein.
In der zweiten Hälfte hatte Dynamo den heftigen Wind im Rücken, wollte sich aber mit ganz wenigen Ausnahmen immer in den Strafraum kombinieren.
Warum schoss seine Mannschaft nicht häufiger von außerhalb des Sechzehners? Kiel hatte in Halbzeit eins vorgemacht, wie das geht.
Und so schrieb am Ende der Sieger die Geschichte. Kiel schoss in Hälfte zwei zweimal wirklich aufs Tor - und traf zweimal. Die Niederlage hätte nicht sein müssen, in dieser Höhe schon gar nicht.
Bis Mittwoch im Pokal gegen Schalke muss Stamm einiges aufarbeiten. Und vielleicht ist er schon in der Pressekonferenz vorm Spiel gewohnt ruhig und sachlich.