Verursachte der Fußball seinen Tod? Weltmeister starb wohl auch wegen zu vieler Kopfbälle

Stockport (England) - Vor beinahe sechs Jahren starb der englische Fußball-Weltmeister Norbert "Nobby" Stiles im Alter von 78 Jahren. Jetzt steht wohl endgültig fest: Auch der Fußball trug zu seinem Tod bei!

Fast sechs Jahre nach dem Tod von Norbert "Nobby" Stiles (†78) legt die Gerichtsmedizin einen Zusammenhang zum Kopfballspielen nahe.  © Paul ELLIS / POOL / AFP

In den Jahren vor seinem Tod litt der 28-malige Nationalspieler an schwerer Demenz, musste gar seine WM-Siegermedaille verkaufen, um für seine Pflege aufkommen zu können.

Seine Familie kämpfte schließlich darum, dass sein Tod vollumfänglich untersucht wird, weshalb am Mittwoch die Ergebnisse der Gerichtsmedizin vor einem Untersuchungsgericht in Stockport vorgestellt wurden.

Dort erklärte Gerichtsmedizinerin Alison Mutch dem Guardian zufolge, dass der Tod von Stiles unter anderem auf eine Hirnerkrankung zurückzuführen sei, die durch wiederholtes Kopfballspielen verursacht worden sei. Der Untersuchung zufolge habe der Weltmeister von 1966 in seiner Karriere rund 140.000 Kopfbälle gespielt.

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Zwar habe Stiles auch an Alzheimer gelitten, dazu sei jedoch die degenerative Gehirnerkrankung CTE (Chronisch-traumatische Enzephalopathie) gekommen, die durch wiederholte leichte Stöße oder Schläge auf den Kopf verursacht wird und dabei Nervenzellen zerstört.

Neuropathologe Dr. Daniel Du Plessis sagte demnach vor dem Gericht: "Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass sein häufiges Köpfen seine CTE ausgelöst hat", und bestätigte das auch auf Nachfrage erneut.

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Studien legen Zusammenhang zwischen Kopfbällen und degenerativen Hirnerkrankungen nahe

Stiles gewann 1966 den WM-Titel mit England, später im Leben erkrankte er an Demenz.  © Dave Thompson/PA Wire/dpa

Die Auswirkungen von häufigen Kopfbällen auf das Gehirn ist Bestandteil zahlreicher Studien, so etwa von einer schottischen Arbeitsgruppe um Daniel Mackay et al. aus dem Jahr 2019. Diese kam zu dem Schluss, dass das Risiko für Fußballprofis, an einer degenerativen Gehirnerkrankung zu erkranken, etwa 3,5 Mal höher liegt als das der Durchschnittsbevölkerung. Dabei ist sogar ein Unterschied zwischen Torhütern und Feldspielern, die häufiger köpfen müssen, messbar.

Auch wenn die Studie einen kausalen Zusammenhang mit Kopfbällen nicht beweisen konnte, nahm der englische Fußballverband sie zum Anlass, um Kopfbälle im Training für Kinder unter zwölf komplett zu verbieten und im U18-Bereich so weit wie möglich zu reduzieren.

Doch nicht nur der Fußball ist betroffen, in anderen Kontaktsportarten ist CTE ebenfalls ein bekanntes Problem. Sie wird immer wieder etwa bei Boxern, American Footballern, Rugby- oder Eishockeyspielern diagnostiziert.

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