Nach Abschied vom HCE: Lukas Wucherpfennig spielt Bundesliga!
Dresden - Nach dem emotionalen Abschied aus seinem Wohnzimmer der vergangenen sechs Jahre war auch für Lukas Wucherpfennig (31) erst einmal abschalten und Pause angesagt. Doch als nach dem Urlaub für seine mittlerweile ehemaligen Kollegen Ende Juni die individuellen Einheiten auf die Vorbereitung starteten, packte Lukas Wucherpfennig seinen Koffer noch einmal. Ziel: Santiago de Queretaro in Mexiko.
"Ich mag das Fliegen eigentlich nicht so", gesteht der 31-Jährige. Für den Los Angeles HC und ein Mini-Turnier mit zwei mexikanischen Teams und einem Konkurrenten aus New York um die nordamerikanische Meisterschaft nahm er die Reise aber gern in Kauf.
Initiiert hatte "Penny" den Kontakt zum Team aus LA ursprünglich selbst: "Ich hab sie angeschrieben, weil ich das Projekt einfach richtig cool finde - und ihnen genau das mitteilen wollte." Die erste Anfrage aus der US-Metropole musste der Rechtsaußen vergangenes Jahr noch ablehnen. "Ich stand ja noch beim HC Elbflorenz unter Vertrag", so Wucherpfennig.
Im aktuellen Sommer war die Situation eine andere: Sein Arbeitspapier bei den Dresdnern lief aus, einen neuen Verein hatte der Linkshänder noch nicht. Da kam die Anfrage von Joscha Ritterbach (32) - seit Ende 2025 Linksaußen in LA und parallel bei einer deutschen Spielerberater-Agentur tätig - gerade recht.
Dem Ruf folgte der 1,85 Meter große Handballer und schloss sich einer buntgemischten Truppe an: Morten Olsen (77) coacht die Mannschaft, Ex-SCM-Profi Michael Damgaard (36) wirbelt durch den Rückraum, Zuwed Akuro (35) tanzte nicht nur auf der Platte, sondern bat Wucherpfennig auch nach jedem der vier Siege und der gewonnenen Nordamerikameisterschaft zum Tanz.
"Das Ganze hatte ein bisschen was von Klassenfahrt, sportlich waren wir aber auch super ehrgeizig", schwärmt Wucherpfennig.
Dresden-Abstecher in der Sommerpause
Der Lohn? Ende September geht's für die Nordamerikaner zum World Globe, der Club-WM, nach Ägypten. In der Gruppenphase wartet unter anderem ein Duell mit dem FC Barcelona, dann aber ohne Wucherpfennig. Denn es kam alles anders.
Den Sommer über vertrieb sich der gebürtige Preetzer die Zeit in Elbflorenz. "Ich habe im vergangenen Jahr bei einem Ein-Tages-Kurs meine Platzreife gemacht", berichtet der 31-Jährige von seinem Hobby Golf: "Es tat auch einfach mal gut, Leute außerhalb der Handball-Blase kennenzulernen."
Vormittags verbesserte er sein Handicap auf dem Golfplatz, nachmittags ging's in den Kraftraum oder eine Runde joggen. Einen Vorteil hatte der sportliche Antrieb allemal: Denn als Bietigheim anklopfte, war "Penny" bereit.
"Mich muss das Projekt überzeugen", erklärte Wucherpfennig noch bevor das Angebot des Aufsteigers kam, der damit auf die anhaltenden Rückenprobleme von Rechtsaußen Nico Bacani (22) reagiert.
Genau zu dieser Kategorie zählt die Offerte der Schwaben. Ähnlich wie bereits die Anfrage aus LA - es muss für den 31-Jährigen passen und ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Ganz so schnell ging's mit dem ersten Einsatz aber noch nicht. Beim 35:33-Sieg seines neuen Teams am vergangenen Sonntag gegen die HSG Wetzlar war Wucherpfennig noch nicht dabei. Sein Debüt könnte er am Freitag geben - ausgerechnet gegen den THW Kiel und damit den Verein, für den er 2014 sein Bundesliga-Debüt feierte.
Titelfoto: Fotomontage (3): Gerardo Parra (2), privat

