Dresden - Martin Hríb (49) lief einst für die Nationalmannschaft bei der WM auf, Sohn Dominik (16) gibt am Freitag sein Debüt für die "U17"-Auswahl Tschechiens in Lovosice. Am Wochenende tritt er nicht nur in die Fußstapfen seines Vaters, am Samstag gibt's für den Nachwuchs ein kurioses Highlight: Auswärtsspiel zu Hause im eigenen Wohnzimmer.
Denn geboren ist Hríb Junior in Dresden, läuft seit der D-Jugend für den HC Elbflorenz auf. Mit der BallsportARENA, wo am Samstag zuerst der "U17"-Vergleich zwischen Deutschland und Tschechien stattfindet und sich im Anschluss die "U21" beider Nationen duellieren (ab 16 Uhr), ist er bestens vertraut.
Für den HC Elbflorenz spielte auch schon Papa Martin. Als der Senior vor 16 Jahren für die Tiger in der damaligen Oberliga Sachsen auflief, gab's die BallsportARENA noch nicht.
Aber nicht nur vom Vater hat Dominik das Talent und die Begeisterung für den Sport. "Ich bin quasi in der Halle aufgewachsen", so der 16-Jährige, der auf der Platte über den linken Rückraum kommt. "Die Mama hat auch gespielt", schiebt Papa Martin nach.
"Ich bin mit der Mama immer nach Marienberg gefahren, wurde dann von den Fans immer betreut", erinnert sich Dominik an seine ersten Handball-Erfahrungen durch Mama Lucie (49).
Einladung zur tschechischen Auswahl kam vom Papa
Auch wenn Dominik im Rahmen der Nachbarschafts-Duelle seiner beiden Nationen eine Premiere feiert, sein Debüt für Tschechien wird es nicht. Denn für Auswahl im Beach-Handball war er schon häufiger im Einsatz. Bei der EM im Sommer in Zagreb landete er auf dem siebten Platz.
Genau hier schließt sich erneut der Kreis zu seinem Papa Martin, der neben seiner Tätigkeit in einer Dresdner Druckerei auch noch für den tschechischen Verband aktiv ist und die Beach-Nationalmannschaft trainiert.
Die Einladung für die beiden Duelle mit Deutschland gab's folgerichtig vom Papa höchstpersönlich.
"Ich kenne den Trainer von der Auswahl", erzählt der ehemalige rechte Rückraumspieler.
Diesen Vorteil hat die Berufung ins tschechische Nationalteam
Komisch ist die Situation für Dominik aber nicht, der zwar in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, allerdings trotzdem nur die tschechische Staatsbürgerschaft besitzt: "Ich fühle mich natürlich sehr deutsch, sehr integriert und ich fühle mich auch sehr verbunden zu Tschechien."
Einen Vorteil hat die regelmäßige Berufung in die tschechische Nationalmannschaft in jedem Fall für ihn.
"Ich konnte nicht wirklich auf Tschechisch schreiben, das war wie bei einem Erstklässler", gesteht der Rechtshänder lachend, der im Alltag eigentlich nur im Elternhaus mit Tschechisch konfrontiert ist.
Aber: "Ich vermute mal, hier kennen mich ein paar mehr Leute", sagt Dominik über Dresden, den HC Elbflorenz und das Spiel in der BallsportARENA.
Wer auf jeden Fall dabei sein wird: der stolze Papa Martin - bei beiden Spielen, in Lovosice am Freitag und auch in Dresden am Samstag.
Heimat ist eben doch nicht nur eine Frage der Staatsangehörigkeit.