Hohenstein-Ernstthal - Das Warten hat für die Motorsportfans ein Ende: Zum 28. Mal steigt am Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz das große MotoGP-Wochenende – eines der größten deutschen Einzelsportevents. Rund 200.000 Besucher werden ab Freitag erwartet.
Auf dem rund einen Kilometer entfernten Ankerberg herrscht Festivalstimmung. Innerhalb weniger Wochen wird die drei Hektar große Ackerfläche zum Camping- und Partygelände.
Rund 3500 Camper schlagen hier ihre Zelte auf, insgesamt rechnen die Veranstalter mit etwa 10.000 Besuchern. Zwei Bühnen, zahlreiche Imbissstände und eine neue, 46 Meter hohe Riesenschaukel sorgen für Unterhaltung.
"Das Auf- und Abbauen ist schon hart. Wir fangen vier bis fünf Wochen vorher an. Wasser und Strom muss alles verlegt werden", sagt Geländechefin Luisa Drummer (37).
Seit Mittwoch wird bereits gefeiert. Die Familie Rossel aus Bayern gehört zu den Stammgästen. "Seit 2009 sind wir dabei, ich selbst seit 2014. Seitdem ist der Sachsenring Pflicht", erzählt Fridder Rossel (57).
Um die besten Plätze zu sichern, reisten sie bereits in der Nacht zu Mittwoch an. Nichte Feli (23) schwärmt: "Man kann fünf Tage Halligalli machen. Man kann sein, wie man ist, und sich mit jedem unterhalten. Alle sind cool drauf."
Seit 20 Jahren kommt auch Jens Althammer (45) aus Delitzsch auf den Ankerberg. "Mein Vati hat mich schon mit zehn oder zwölf Jahren mitgenommen. Das Feeling hier ist einfach geil." Für den Getränketransport dient ein umgebauter Rasenmäher, ein selbst gebauter Pool sorgt für Abkühlung.
Hotels und Gaststätten jubeln, Anwohner gespalten
Die Fankultur wurde inzwischen in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. "Sie ist essenziell. Ohne die Fans könnten wir diese Veranstaltung so nicht durchführen", sagt ADAC-Sprecher Oliver Ranschke (49).
Hotels und Gaststätten sind seit Monaten nahezu ausgebucht. "Freitagabend ist volles Haus. Wir rechnen mit 300 bis 400 Gästen am Tag", sagt Hoteldirektor Bernd Frank (64) vom Hotel "Drei Schwanen". Für die Wirtsleute Evelyn (64) und Axel Rottluff (65) bedeutet das MotoGP-Wochenende vor allem "positiver Stress".
Bei den Anwohnern gehen die Meinungen auseinander. "Das sind drei Tage, damit können wir leben. Es ist eine Bereicherung für die Region", sagt Ilona Karthe (73). Heinz Oesterle (83) sieht das anders: "Wir fahren die Tage weg. Es ist zu laut, das halten wir nicht aus."
Am Freitag laufen auf der Rennstrecke noch die letzten Vorbereitungen. Insgesamt gehen 23 Fahrer in der MotoGP an den Start, darunter Titelverteidiger Marc Márquez (33). Höhepunkt: Das Grand-Prix-Rennen um 14 Uhr am Sonntag.