Deutscher Ski-Boss tobt nach Skisprung-Drama vor Wut: "Man hat uns was genommen"

Predazzo (Italien) - Dieses Ende hallt nach! Drei Springer vor dem Ende wurde der Super-Team-Wettbewerb bei den Olympischen Spielen abgebrochen, weil eine Schneefront über die Schanze zog. Deutschland landete dadurch um 0,3 Punkte neben dem Podest, dabei wäre mehr drin gewesen. DSV-Sportdirektor Horst Hüttel (57) hat deshalb absolut kein Verständnis für die Maßnahme der Jury.

DSV-Sportdirektor Horst Hüttel (57) hat kein Verständnis dafür, wie der Abbruch zustande kam.  © Daniel Karmann/dpa

Bei ihm überwiege nach dem Skisprung-Drama die Wut, sagte der 57-Jährige nach dem Wettkampf bei Eurosport: "Enttäuscht wäre ich, wenn die Jungs schlecht gesprungen wären. Jetzt bin ich wütend, weil man uns gefühlt was genommen hat."

Während des letzten Durchgangs waren die Bedingungen durch Wind und Schnee immer schlechter geworden, Philipp Raimund (25) zauberte trotzdem einen tollen Sprung in den Schnee und brachte Deutschland so auf Medaillenkurs. Doch durch den Abbruch wurde der Finaldurchgang annulliert und das Ergebnis nach dem zweiten Durchgang gewertet - mit dem bitteren Ende für den DSV.

Hüttel kann dabei vor allem die Umstände nicht nachvollziehen, unter denen der Wettkampf abgebrochen wurde.

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"Wenn man jetzt heute mal 0,3 Punkte an der Medaille vorbeischrammt, das ist Sport. Aber so wie das zustande gekommen ist, ist es einfach nicht fair. Das ist schlechtes Wettkampfmanagement", schimpfte der Sportdirektor. Denn kurz nach dem Abbruch war die Schneefront durchgezogen, es klarte sichtlich auf.

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Philipp Raimund (25, l.) und Andreas Wellinger (30) fehlten nach dem Abbruch im Super Team die Worte, schließlich waren sie gerade auf Medaillenkurs unterwegs.  © Daniel Karmann/dpa

"Es war nicht einfach, eine gute Entscheidung zu treffen, aber es wurden im Vorfeld drei Apps an die Teams verteilt, und in allen dreien hat es klar angezeigt, dass in zehn bis 15 Minuten der Schneefall aufhört", erklärte Hüttel die Geschehnisse aus seiner Sicht: "Aber das war irgendwie total egal, und das versteh ich nicht, das muss man uns erst mal erklären. Wir sind eine Freiluftsportart, wo so etwas passieren kann."

Zudem kritisierte der 57-Jährige, dass nicht alles getan worden sei, um den Wettkampf fortführen zu können. Während der Beratung der Jury sei kein Vorspringer gesprungen, da baue die Spur "natürlich" ab.

"Wir haben versucht, die Spur zu reinigen, aber wir haben sofort festgestellt, dass das Tempo in der Spur verloren geht. Der Unterschied war deutlich spürbar", wehrte sich Renndirektor Sandro Pertile (57) zwar gegen die Vorwürfe.

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Das wollte Hüttel aber nicht gelten lassen. Er wolle gar nicht im Nachhinein schlau daherreden, doch er könne nicht verstehen, dass bei der Jury die Besonnenheit gefehlt habe, einfach zehn Minuten zu warten.

Der Funktionär wütete: "Als Wettkampfmanagement muss ich schauen, dass es für alle Beteiligten fair bleibt und man die Möglichkeit so auslotet, gerade wenn man weiß, man ist nur alle vier Jahre hier."

Durch den bitteren vierten Platz reist Deutschland mit nur einer Medaille bei den Skispringern von den Olympischen Spielen ab - diese glänzt aber immerhin golden.

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