Oberhof - Blickt der deutsche Biathlonsport so endlich wieder in eine goldene Zukunft? Mit der Staffel wurde Erik Lesser (38) 2014 selbst Olympiasieger in Sotschi, inzwischen gibt er sein Wissen beim DSV aber an die Juniorinnen weiter. Und dabei möchte der gebürtige Suhler offenbar keinen Stein auf dem anderen lassen.
Seit Mai ist der 38-Jährige als Trainer der Nachwuchs-Skijägerinnen beim Deutschen Skiverband im Amt. Damit seine Schützlinge künftig an die Weltspitze laufen können, möchte der Übungsleiter insbesondere den Nominierungsprozess umgestalten, wie er im Interview mit "chiemgau24" verriet.
"Bevor ich eine Mannschaft für eine Junioren-WM nominiere, brauche ich klare Referenzwerte", so der zweifache Weltmeister. "Da hilft es mir nichts, wenn meine Athletinnen zur selben Zeit an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen."
Konkret meinte der Thüringer damit den IBU Junior Cup sowie den Deutschlandpokal. Beide Events überschneiden sich zeitlich und bieten unterschiedliche Voraussetzungen. "Das bringt uns nicht weiter", erklärte der Jugendcoach.
Daher hat er nun eine Entscheidung getroffen: "Wir werden nicht am Junior-Cup teilnehmen und im Hinblick auf die Junioren-Weltmeisterschaft alle Athletinnen des Kaders in einen fairen Qualifikationsprozess schicken", kündigte Lesser an.
Dabei sollen die deutschen Juniorinnen die anstehenden Trainingslager als gesamte Gruppe gemeinsam absolvieren und daraufhin alle im Deutschlandpokal an den Start gehen.
Erik Lesser will seine Nachwuchs-Biathletinnen nachhaltig aufbauen
"Alle sind zur selben Zeit am selben Ort und ermitteln so die fünf Teilnehmerinnen für die Junioren-WM. Das ist ein fairer und transparenter Prozess", erläuterte der Ex-Biathlet seine Änderung.
Daneben möchte Lesser seine Talente auch nicht "krampfhaft" ins Rennen um die offenen Plätze im Seniorenbereich schicken. Stattdessen ziehe er ein Trainingslager in Skandinavien vor.
"Bei guten Schneebedingungen und frei von unnötigem Druck, der für die Senioren bei Qualifikationsrennen ganz selbstverständlich ist, unsere Junioren vor der Saison aber nicht weiterbringen wird", so der olympische Silbergewinner im Einzel.
Das Vorgehen dürfte dem ein oder anderen Rohdiamanten zwar die Chance auf den schnellen Sprung nach oben verbauen, doch Lesser setzt auf eine "langfristige Entwicklung".
"Wer im Laufe der Saison gut genug ist, wird noch viele Chancen bekommen, sich für den IBU-Cup oder den Weltcup zu qualifizieren", so der 38-Jährige.
Denn nach mehr als zehn Jahren auf der großen Bühne benannte er auch die laut ihm wichtigste Zutat auf dem Weg zum Spitzenbiathleten: "Ruhe", betonte er. "Kurzfristige Erfolge im Juniorenbereich sind schnell erreicht, aber längst keine Garantie für Nachhaltigkeit."