Stuttgart - Aktivisten vom "Kollektiv Tierbefreiung" werfen dem Oberbürgermeister Frank Nopper (60, CDU) vor, bei einer Protestaktion auf dem traditionellen Volksfestumzug in Stuttgart-Bad Cannstatt handgreiflich geworden zu sein. Dieser äußerte sich nun zu den Anschuldigungen.
Was ist passiert? Gegen 11.15 Uhr hatten acht Aktivistinnen und Aktivisten den Umzug am Sonntag unterbrochen, um gegen die ihrer Ansicht nach vorherrschende "Tierausbeutung" bei der Veranstaltung zu demonstrieren.
Zwei der Demonstranten stellten sich laut Angaben des Kollektivs direkt vor die Pferdekutsche, in der OB Nopper und seine Frau saßen, und hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Tierschauverbot für Stuttgart" in die Höhe.
Nopper habe den Demonstranten das Banner "aggressiv" entrissen und dabei einen der beiden Aktivisten verletzt, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Tierschützer. Sechs weitere Störer, die mit Plakaten wie "Umzug ohne Tiere" lautstark demonstrierten, seien von der Polizei von der Straße gezerrt und abgeführt worden.
Die Pressesprecherin des Oberbürgermeisters schildert den Vorfall auf Anfrage von TAG24 anders. "Der Oberbürgermeister hat den Aktivisten das Transparent abgenommen, weil die überfallartige Aktion nicht nur eine Störung, sondern sogar eine unmittelbare Gefährdung des Umzugs dargestellt hat", so Susanne Kaufmann.
Frank Nopper sei als Oberbürgermeister des Stadtkreises zudem auch Leiter der Kreispolizeibehörde, die wiederum zuständig für Maßnahmen nach dem Versammlungsgesetz ist.
Rathaus weist Vorwürfe der Handgreiflichkeit zurück
Es habe laut Kaufmann auch die konkrete Gefahr bestanden, dass die Pferde durch die plötzliche Aktion scheuen und dadurch Demonstranten sowie umstehende Zuschauer verletzen könnten.
Den Vorwurf der Handgreiflichkeit weist das Rathaus klar zurück: "OB Nopper hat lediglich das Transparent und keinen der Aktivisten berührt." Die inhaltliche Botschaft des Protests habe dabei für Noppers Eingreifen ohnehin keine Rolle gespielt. In dem Moment, als er das Banner abnahm, sei ihm das Anliegen der Gruppe gar nicht bekannt gewesen, da er die Aufschrift nicht lesen konnte.
"Tiere wie Pferde, Ochsen, Kühe und Ziegen in einer lauten und engen Innenstadt einzusetzen, ist Missbrauch und hat nichts mit Brauchtum oder Tradition zu tun", kritisierte Emilia Schüler, Pressesprecherin des "Kollektivs Tierbefreiung Stuttgart".
Die Tiere würden durch Transporte, Wartezeiten und ständige Beschallung gequält. Die Gruppe fordert vom Gemeinderat ein generelles Tierschauverbot für Stuttgart.