Rollstuhl-eSportler Niklas lebt weiter seinen Traum: Nach dem Aus beim VfB rief Bernd Leno an

Stuttgart - FIFA-eSportler Niklas Luginsland (24) blickt auf ein turbulentes Jahr 2020 zurück. Er entwickelte sich als Profispieler und Streamer stetig weiter, doch plötzlich gab der VfB eSports, wo Niklas mitwirkte, seinen Ausstieg aus dem eSport bekannt. Wo aber eine Tür zuging, ging an anderer Stelle eine auf. TAG24 hat mit dem eSport-Profi, der seit seiner Geburt die Glasknochenkrankheit hat, gesprochen.

Niklas Luginsland (24, r.) unterschrieb im August beim FIFA-eSport-Team von Nationaltorhüter Bernd Leno (28).
Niklas Luginsland (24, r.) unterschrieb im August beim FIFA-eSport-Team von Nationaltorhüter Bernd Leno (28).  © Screenshot Instagram/leno_esports

Freudestrahlend lächelt Niklas uns im Discord-Video-Interview entgegen. Während des Gesprächs ist ihm ganz klar anzumerken, wie zufrieden und glücklich er mit seiner aktuellen Situation im Leben ist - sowohl auf persönlicher als auch auf eSport-Ebene.

Der 24-Jährige, der im baden-württembergischen Altensteig (Kreis Calw) im Nordschwarzwald lebt, kam bislang gesund mit seiner Familie durch die Corona-Krise und konnte darüber hinaus auch sehr viel für sein Studium im Masterstudiengang "Leadership and Sports Management" an der Akademie des VfB Stuttgart erledigen.

"Es wurden fast alle Veranstaltungen ins Netz verlagert und ich habe jetzt einige Hausarbeiten hinter mir, weshalb ich langsam auf die Zielgerade einbiege", so Luginsland. 2021 steht seine Masterarbeit an.

Einen konkreten Fahrplan, wie es danach weitergehen soll, setzt er sich aber nicht: "Ich denke Step-by-step. Was nach dem Studium passiert, ist auch von der Entwicklung des FIFA-eSport abhängig. Es wird sich zeigen, ob ich mir später meinen Lebensunterhalt hauptsächlich über FIFA finanzieren kann und will."

Entscheidende Weichen, um dies möglicherweise bewerkstelligen zu können, hat er in diesem Jahr bereits gestellt.

Niklas Luginsland zockte gegen Fußballprofis im Stream

Niklas Luginsland (2.v.l.) spielt zusammen mit seinen drei Teamkollegen Denis Müller (18, l.), Serhat Öztürk (19, 2.v.r.) und Deniel Mutic (27) für "Leno e-Sports".
Niklas Luginsland (2.v.l.) spielt zusammen mit seinen drei Teamkollegen Denis Müller (18, l.), Serhat Öztürk (19, 2.v.r.) und Deniel Mutic (27) für "Leno e-Sports".  © Screenshot Instagram/nik_lugi

So gewann er innerhalb der vergangenen zwölf Monate über alle seine Social-Media-Kanäle rund 20.000 Follower hinzu; die meisten von ihnen auf der Streaming-Plattform Twitch. "Dort gehöre ich in Deutschland bei Weitem nicht mehr zu den Kleinen im FIFA-Bereich", ist Luginsland stolz.

Seine treue Community erfreut sich vor allem daran, dass Niklas viel mit seinen Zuschauern interagiert, auf ihre Nachrichten eingeht und immer für einen lockeren Spruch zu haben ist. Außerdem gibt es auch Specials: Immer wieder zockt er Partien gegen einige Fußballprofis vom VfB Stuttgart oder der TSG Hoffenheim, wobei die Zuschauer den Kickern im Chat Fragen stellen können.

Luginsland verriet TAG24, dass er seine "eigene Marke aufbauen" möchte. Im kommenden Jahr soll in Zusammenarbeit mit einem professionellen Cutter der Einstieg bei YouTube gelingen, was seine Reichweite noch einmal deutlich erhöhen könnte.

2020 wurde ihm bereits eine gesteigerte mediale Aufmerksamkeit zuteil. Unter anderem drehte das ZDF für das "Magazin Menschen" einen 5-minütigen Beitrag über ihn; auch RTL und der SWR zeigten Niklas bereits im TV.

Niklas Luginsland wurde Teil von Leno eSports und freut sich über den Kontakt zum Nationaltorhüter

Das Team von Leno eSports geht in der Virtuellen Bundesliga für den 1. FC Heidenheim an den Start.
Das Team von Leno eSports geht in der Virtuellen Bundesliga für den 1. FC Heidenheim an den Start.  © Screenshot Instagram/leno_esports

Doch natürlich muss für einen eSportler die Leistung auf dem virtuellen Rasen mindestens genauso stimmen, wie die Vermarktung abseits davon. Der 24-Jährige intensivierte seine Trainingsstunden und konnte sich so spielerisch auf das nächste Level steigern.

Im Juli folgte dann aber zunächst eine Hiobsbotschaft: Der VfB eSports verkündete, seine "Aktivitäten im professionellen eSports zur neuen Saison und bis auf Weiteres" einzustellen. Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise hätten diesen Schritt erforderlich gemacht.

Somit stand Niklas plötzlich ohne ein festes Team da. Doch zum Glück dauerte es nicht einmal einen Monat, ehe sein Telefon klingelte und plötzlich Nationaltorhüter Bernd Leno (28) am Apparat war! Der Keeper von Arsenal London bot Luginsland an, ein Teil seines eigenen Teams Leno eSports zu werden. Niklas war verständlicherweise Feuer und Flamme und nahm dankend an.

An seinem neuen Team schätzt er viele Faktoren. "Die Strukturen bei Leno eSports sind sehr professionell. Wir haben unter anderem einen eigenen Gaming-Room in Stuttgart, wo man unheimlich viel machen kann. Das gibt es in dieser Form im eSport kaum", so Niklas.

Außerdem freut sich der 24-Jährige über den direkten Kontakt zum Nationalkeeper: "Bernd interessiert sich sehr für uns und die Sache. Er will stets wissen, wie wir uns entwickeln, wie die Turniere laufen und das Streaming vorangeht. Das ist natürlich auch eine Wertschätzung gegenüber uns und unserer Arbeit."

Ab und an wagt sich Leno sogar selbst an den Controller. So nahm er vor Kurzem zusammen mit Luginsland an einem Turnier teil, bei dem ein Profifußballer zusammen mit einem Profi-eSportler im Team antrat. Darüber hinaus geht Niklas mit seinen Teamkollegen von Leno eSports in der "Virtuellen Bundesliga" für den 1. FC Heidenheim an den Start, da eine Kooperation zwischen den beiden Vereinen geschlossen wurde.

Alles in allem kann Niklas Luginsland auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2020 zurückblicken. Doch wer den ehrgeizigen jungen Mann kennt, der stets für seine Träume kämpft und einsteht, der weiß, dass für ihn nur der Blick nach vorne zählt.

Titelfoto: Screenshot Instagram/leno_esports

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