Ingolstadt - Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner (57) bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump (80) am Wochenende sorgt weiterhin für Wirbel: Während die SPD die Aktion kritisiert, gibt es auch Verständnis aus der bayerischen Politik.
Statt ein neues Werk in den USA aufzubauen, pocht die bayerische Fraktion der SPD darauf, dass die deutschen Standorte des Autobauers Priorität haben sollten.
Zwar müssen Unternehmen wie Audi international tätig sein, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Holger Grießhammer (44) in einer Mitteilung seiner Partei: "Das darf aber nicht auf dem Rücken der Beschäftigten in Bayern geschehen."
"Wie ein solcher Wahlkampfauftritt zu werten ist, der obendrein die katastrophale Zollpolitik von Donald Trump zulasten unserer bayerischen Unternehmen stützt, muss der Konzern selbst entscheiden", so Grießhammer weiter.
Für die Plenarsitzung am Mittwoch stellte die SPD daher einen Dringlichkeitsantrag: Der Audi-Vorstand, der Gesamtbetriebsrat, die IG Metall und die Stadt Ingolstadt sollen sich an einen Tisch setzen.
Derweil forderte die IG Metall in Baden-Württemberg bereits Zusagen für das von der Schließung bedrohte Audi-Werk in Neckarsulm. "Dort (in den USA) werden Investitionen verkündet, während hier Beschäftigte um Arbeitsplätze bangen", sagte die IG-Metall-Chefin Christiane Benner im ZDF-"Morgenmagazin".
Aiwanger zeigt Verständnis für Audi-Boss: "Realist genug"
Am Wochenende war Audi-Chef Döllner zusammen mit dem US-Präsidenten auf einer Wahlkampfbühne aufgetreten und hatte dort den Bau eines eigenen US-Werks im Bundesstaat Georgia angekündigt. In den USA stehen am 3. November Zwischenwahlen an.
Döllner steht seitdem in der Kritik. Unterstützung bekommt er indessen vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (55, Freie Wähler). Er sei "Realist genug, um zu wissen, wie solche Dinge ablaufen", so Aiwanger. Döllner habe der Einladung von Trump angesichts der amerikanischen Absatzzahlen von Audi schlecht absagen können.
Laut der "Wirtschaftswoche" war der Mutterkonzern VW von Anfang an in die Pläne für das neue US-Werk miteingebunden. Audi steht wirtschaftlich schwer unter Druck: Ein weiterer Stellenabbau steht wegen sinkender Absätze und Erträge im Raum. Anderes als seine Konkurrenten Mercedes oder BMW hat Audi bislang kein eigenes Werk in den USA. Trumps Zollpolitik trifft die Ingolstädter deshalb besonders hart.
Döllner zufolge sei das US-Werk "keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern ein wichtiger Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit von Audi".