Frankreich versinkt im Chaos: "Entsetzliches Ausmaß an Gewalt"

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Von Michael Evers

Paris - Nach einem landesweiten Protesttag mit beispiellosen Ausschreitungen und Plünderungen hat Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu (40) ein "entsetzliches Ausmaß an Gewalt" angeprangert. Es seien 150 Polizisten verletzt und rund 1200 Menschen festgenommen worden.

Randalierer haben in der Stadt Limoges das Rathaus niedergebrannt.
Randalierer haben in der Stadt Limoges das Rathaus niedergebrannt.  © Pascal Lachenaud/AFP/dpa

Am Rande der Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten, an denen sich Hunderttausende beteiligten, kam es in vielen Städten zu Gewalt, Plünderungen und Sachbeschädigungen mit Schäden in Millionenhöhe.

In der Stadt Limoges etwa setzten Randalierer das unter Denkmalschutz stehende Rathaus in Flammen, das weitgehend ausbrannte.

Der Bürgermeister der zentralfranzösischen Stadt, Guillaume Guérin (39), sagte laut dem Sender lci: "Es gibt keine Worte, um das Geschehene zu verurteilen, so abscheulich ist es. Das Land befindet sich in einer chaotischen Lage." Er sprach umringt von Abgeordneten, die Tränen in den Augen hatten. "Sie haben ein Gebäude zerstört, das den Einwohnern von Limoges am Herzen liegt, aber sie haben den öffentlichen Dienst nicht zerstört", sagte er.

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Premierminister Lecornu sagte, die Polizei habe sich den ganzen Tag lang "einer besonders gewalttätigen Ultralinken" gegenübergesehen, "einer sehr gut organisierten, undurchsichtigen Gruppe, die methodisch versuchte, Eigentum, Personen, aber auch die Institutionen der Republik anzugreifen", sagte Lecornu. Es handle sich "um ein politisches Manöver, das Gewalt billigt". Er betonte: "Wir lassen uns davon nicht einschüchtern."

Justizminister Gérald Darmanin (44) sprach am späten Samstagabend von "Ausschreitungen von beispiellosem Ausmaß, die auch derzeit noch andauern". Er habe "alle Generalstaatsanwälte und Staatsanwälte erneut aufgefordert, eine äußerst entschlossene juristische Reaktion zu zeigen, die der Gewalt, die unser Land heimgesucht hat, angemessen ist", erklärte der Minister.

Ganze Straßenzüge wurden verwüstet.
Ganze Straßenzüge wurden verwüstet.  © Fabian Suspensivo/ZUMA Press Wire/dpa

Emmanuel Macron droht mit Konsequenzen

Im Zuge der landesweiten Proteste wurden etliche Geschäfte geplündert.
Im Zuge der landesweiten Proteste wurden etliche Geschäfte geplündert.  © Laurent Cipriani/AP/dpa

Präsident Emmanuel Macron (48) drohte den Verantwortlichen mit Konsequenzen. "In unserer Republik ist kein Platz für Gewalt", sagte er am Abend. "Diejenigen, die sowohl Präfekturen als auch Geschäfte zerstört und angegriffen sowie sogar unsere Rathäuser geplündert haben, werden strafrechtlich verfolgt und bestraft."

Schon am Vormittag waren Einsatzkräfte in Paris, Lyon, Straßburg und anderen Großstädten mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Protestierende vorgegangen. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.

In Marseille versuchten Demonstranten nach Angaben des Innenministeriums in eine Polizeiwache einzudringen, verschafften sich Zugang zum Rathaus und plünderten Geschäfte.

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In Lyon wurde die Touristeninformation in Brand gesetzt und es gab Sachbeschädigungen an Geschäften. Die Feuerwehr wurde von Randalierern am Eingreifen gehindert. In Avignon drangen Randalierer in den Innenhof der Präfektur ein und in Grenoble gab es Sachbeschädigungen am Rathaus.

Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire (48) berichtete von komplett verwüsteten Straßenzügen. "Ich habe Dinge miterlebt, die mich in rasende Wut versetzt haben: Randalierer, die Geschäfte am Fuße von Wohngebäuden in Brand gesteckt haben", sagte er dem Sender BFMTV.

Nach Angaben des französischen Premierministers Sébastien Lecornu wurden insgesamt 150 Polizisten verletzt.
Nach Angaben des französischen Premierministers Sébastien Lecornu wurden insgesamt 150 Polizisten verletzt.  © David Allignon/ZUMA Press Wire/dpa

Proteste in Frankreich: Über 500.000 Teilnehmer

Ein Auto brennt auf dem Platz der Republik in Paris.
Ein Auto brennt auf dem Platz der Republik in Paris.  © Thibault Camus/AP/dpa

An den Protesten und Demonstrationen beteiligten sich nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez landesweit 550.000 Menschen, darunter 110.000 in Paris. Die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000 Teilnehmern.

Auch aufseiten der Demonstranten gab es Medienberichten zufolge Verletzte. In Saint-Étienne sei einem 17-Jährigen von einer durch die Polizei abgefeuerten Granate eine Hand abgerissen worden, berichtete die Zeitung "Le Figaro".

Im ostfranzösischen Nancy seien drei Menschen durch eine Blendgranate der Einsatzkräfte verletzt worden, schrieb die Zeitung "L'Est Républicain".

Dem Protesttag hatten sich verschiedene Gruppierungen angeschlossen, darunter Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere Lernbedingungen demonstrieren. Bei dem Protestaufruf, der keiner Organisation klar zuzuordnen war, ging es auch um hohe Spritpreise, niedrige Löhne, die große Zahl von zu Niedriglöhnen Beschäftigten sowie Probleme der Landwirtschaft und der Feuerwehr.

Aufgrund des bereits hohen Haushaltsdefizits und Frankreichs hoher Verschuldung ist der Handlungsspielraum der Regierung, auf Forderungen der Demonstranten einzugehen, allerdings begrenzt.

Titelfoto: Bildmontage: Pascal Lachenaud/AFP/dpa, Fabian Suspensivo/ZUMA Press Wire/dpa

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