Islamfeindlicher Terror-Anschlag? Tödliche Schüsse auf Passanten bei Paris
Von Valeria Nickel
Trappes (Frankreich) - Nach tödlichen Schüssen in der Region von Paris hat Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez (62) den Vorfall als "terroristische Tat" bezeichnet.
"Die Ermittlungen laufen noch, aber es handelt sich eindeutig um ein terroristisches Verbrechen", sagte Nuñez vor Journalistinnen und Journalisten in Trappes.
Am Vormittag hatte ein Mann in Gemeinden bei Paris aus einem Auto geschossen. Ein Mensch kam dabei ums Leben, vier weitere wurden teils sehr schwer verletzt, darunter ein zwölfjähriges Kind. Der Mann wurde kurze Zeit später festgenommen.
Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe eine Untersuchung eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts auf gezielte Tötung im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben, der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zur Vorbereitung von Straftaten gegen Personen sowie des Waffenbesitzes.
Dabei werde berücksichtigt, dass die Tat "aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit des Opfers zu einer bestimmten angeblichen Rasse, ethnischen Gruppe, Nation oder Religion begangen wurde".
Bei dem Verdächtigten handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann. Sein Strafregister weise vier Verurteilungen auf, die von Rechts wegen getilgt seien.
Frankreich: Schüsse in mehreren Gemeinden um Paris - Macron erschüttert
Seine Wohnung wurde demnach am Abend durchsucht. "Da für die Durchsuchung seiner Wohnung gemäß den Bestimmungen der Strafprozessordnung seine Anwesenheit erforderlich ist, wurde er bislang noch nicht von den Ermittlern vernommen", hieß es.
Bei der Durchsuchung seines Fahrzeugs wurden den Angaben nach eine Maschinenpistole sowie eine Tränengasgranate entdeckt.
Die Schüsse ereigneten sich laut Polizei am Vormittag gegen 10.30 Uhr im Département Yvelines, das im westlichen Teil der Pariser Großraumregion liegt.
Zunächst wurde in der Gemeinde Trappes geschossen, dann fuhr der Mann den Angaben nach weiter in die angrenzende kleine Gemeinde La Verrière. Laut Nuñez schoss der Verdächtige an drei verschiedenen Orten aus dem Wagen heraus.
Blutbad in Trappes: Bürgermeister geht von islamfeindlichem Hintergrund aus
Präsident Emmanuel Macron (48) stattete der betroffenen Gemeinde Trappes für Gespräche mit Einsatzkräften einen Besuch ab.
Zuvor zeigte er sich auf der Plattform X tief erschüttert über die Attacke und äußerte Anerkennung gegenüber den Sicherheitskräften. Medienberichten zufolge bezeichnete der Élysée-Palast den Vorfall als "rassistischen Terroranschlag".
Die rechtsnationale Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen (68) meldete sich ebenfalls zu Wort: "Das Blutbad, das heute Morgen in Trappes stattfand, ist ein barbarischer Akt, dessen Motive aufgeklärt und die Verantwortlichen hart bestraft werden müssen."
Als "Blutbad" bezeichnete den Vorfall auch der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh (41). Der Angreifer habe offensichtlich ein solches anrichten wollen, sagte er dem Sender BFMTV. Der Mann habe wahllos geschossen.
Rabeh hielt insbesondere einen islamfeindlichen Hintergrund für möglich. «Was wir heute miterlebt haben, ist objektiv gesehen ein Anschlag mit rassistischem, wahrscheinlich islamophobem Hintergrund», sagte Rabeh. «Die Menschen, die heute ins Visier genommen wurden, hätten auch meine Mutter, meine Brüder, meine Schwägerinnen sein können», sagte Rabeh.
Erstmeldung vom 23. Oktober, 16.05 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 20.49 Uhr.
Titelfoto: Emma Da Silva/AP/dpa

