Schüler-Protest wird zu Hetzjagd: Schulleiter mit Benzin übergossen
Paris (Frankreich) - Im Zuge landesweiter Krawalle in Frankreich haben Schüler Jagd auf mehrere Schulleiter gemacht. Was in der vergangenen Woche als Demonstration gegen Missstände in den Bildungseinrichtungen begann, ist inzwischen zu einer wahren Hetzjagd ausgeartet.
Während brennende Fahrzeuge und Mülltonnen wohl als Teil der französischen Protestkultur angesehen werden können, kam es am Donnerstag zu weitaus schockierenden Gewaltvorfällen, bei denen Schulpersonal zur Zielscheibe wurde.
Demonstranten, die in ein Gymnasium in Marseille eingedrungen sind, sollen den Schulleiter, seinen Stellvertreter und zwei weitere Lehrkräfte mit Benzin übergossen haben, wie die Zeitung "Le Figaro" berichtete.
Erschreckende Szenen auch in der Kleinstadt Auchel, im Norden Frankreichs, wo dem Bericht zufolge ein Schulleiter mit Böllern abgeschossen wurde und anschließend unter Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. In Orléans kassierte eine Schuldirektorin sogar Faustschläge, in der Normandie-Kleinstadt Le Petit-Quevilly wurde einem Schulleiter laut dem Sender "France 3" eine Metallstange in den Nacken gehauen.
Allein in der Region um Paris wird der Sachschaden an und in Schulgebäuden auf über eine Millionen Euro geschätzt, wie aus einem Bericht des Blatts "Le Monde" hervorgeht. In den sozialen Medien kursieren dabei Videos von brennenden und verwüsteten Schulgebäuden und gewaltsamen Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten auf Schulgeländen.
Frankreichs Bildungsminister Édouard Geffray verurteilt schwere Gewalt: "Keine Forderung kann solche Taten rechtfertigen"
Die Präfektur der nordwestlichen Region Bretagne berichtete in einem Beitrag auf X von 35 Bränden, die von der Feuerwehr allein am Donnerstag gelöscht werden mussten. Darunter auch mehrere Privatfahrzeuge von Lehrkräften.
Da Schulgebäude aufgrund der Proteste derzeit mehr einem Schlachtfeld als einer Bildungseinrichtung ähneln, hat der französische Bildungsminister Édouard Geffray (47) am Donnerstag Fernunterricht angeordnet. Zugleich verurteilte er die Gewalttaten "von äußerster Schwere".
"Sie gehen weit über die reine Schulproblematik hinaus. Keine Forderung kann solche Taten rechtfertigen", schrieb Geffray auf X.
Wie die Zeitung "Le Parisien" berichtete, wurden allein am Mittwoch 625 Demonstranten festgenommen. 83 Einsatzkräfte wurden verletzt. Auch am Donnerstag kam es bereits zu etlichen Festnahmen.
Die Schüler demonstrieren unter anderem gegen Lehrermangel und schlechte Ausstattung ihrer Schulen. Seit Donnerstag beteiligen sich auch Studenten an den landesweiten Protesten.
Titelfoto: Jean-Francois Badias/AP/dpa

