Brexit passé? Britischer Premier deutet Rückkehr zur EU an
London (Großbritannien) - Premierminister Andy Burnham (56) hat eine grundlegende Neuordnung der Beziehungen Großbritanniens zur Europäischen Union ins Spiel gebracht.
In mehreren Interviews erklärte Burnham überraschend, die Regierung werde alle Optionen prüfen - bis hin zu einem erneuten EU-Beitritt.
"Wir könnten so bleiben, wie wir sind", sagte Burnham gegenüber der BBC. Möglich seien aber auch eine Zollunion oder eine Rückkehr in den europäischen Binnenmarkt. "Wir könnten den ganzen Weg gehen bis hin zu einer EU-Mitgliedschaft."
Entscheidend sei nun, zu prüfen, "was machbar ist" und welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Modelle hätten.
Damit geht Burnham deutlich über die Position hinaus, mit der Labour 2024 in den Wahlkampf gezogen war. Damals hatte die Partei eine Rückkehr zum EU-Binnenmarkt noch ausdrücklich ausgeschlossen.
Burnham begründet die neue Offenheit mit den Folgen des Brexits. Der Austritt habe Großbritannien "mehr Schaden als Nutzen" gebracht und die Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarn erschwert. "Wir stecken in einer Sackgasse. Das Land funktioniert nicht so, wie es für die Menschen sein sollte", gab der Premier ehrlich zu.
Eine Zollunion würde die Handelsbeziehungen mit der EU deutlich enger gestalten, ohne eine Rückkehr in den Binnenmarkt zu bedeuten. Eine Mitgliedschaft im Binnenmarkt würde dagegen eine wesentlich stärkere Angleichung an EU-Regeln voraussetzen. Ein vollständiger EU-Beitritt wäre der weitreichendste Schritt.
Großbritannien könnte den Brexit rückgängig machen
Parallel arbeitet Großbritannien bereits an einer engeren Zusammenarbeit mit der EU. Ab 2027 soll das Land wieder am Erasmus+-Programm teilnehmen. Zudem laufen Gespräche über eine stärkere Kooperation im Energiemarkt, beim Lebensmittelhandel und bei der Mobilität junger Menschen.
Burnhams Äußerungen markieren eine deutliche Verschiebung in der Brexit-Debatte - denn er schließt eine weitreichende Annäherung an die EU erstmals ausdrücklich nicht mehr aus.
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