Proteste und Hungerstreik: "Kakerlaken"-Bewegung erhöht Druck auf Regierung
Neu-Delhi (Indien) - Sie formieren sich unter einem ungewöhnlichen Namen - und setzen nun sogar den Premierminister unter Druck: In Indien macht die sogenannte Kakerlaken-Bewegung auf Missstände im Bildungssystem aufmerksam.
Die Kakerlaken-Partei CJP ("Cockroach Janta Party") entstand im Mai 2026 als Reaktion auf eine Bemerkung des Richters Surya Kant (64). Dieser hatte arbeitslose Jugendliche als "Kakerlaken" und "Parasiten" bezeichnet.
In der bewussten Umdrehung dieses Verächtlichmachens griffen junge Aktivisten die Bezeichnung "Kakerlaken" für ihren viralen Protest auf.
Schon nach kurzer Zeit weitete sich die Unterstützung für die CJP auf andere Regionen im Land aus. Sogar Oppositionsparteien stellten sich hinter die Bewegung. Im Netz verbreitete sich der Hashtag #MainBhiCockroach ("Auch ich bin eine Kakerlake").
Die Jugendlichen fordern laut Bericht der Times of India unter anderem den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan (57) und Reformen im Bildungswesen.
Pradhan soll ihrer Meinung nach die politische Verantwortung für einen Skandal um geleakte Dokumente einer Hochschul-Zugangsprüfung übernehmen. Mehr als zwei Millionen Studienanwärter mussten die Prüfung wiederholen, weil die Aufgaben vor dem ursprünglichen Termin bekannt geworden waren.
Auch Premierminister Narendra Modi (75) äußerte sich aufgrund des öffentlichen Drucks zu dem Skandal und kündigte zügige Strafverfahren an. Nichts sei wichtiger als das Wohlergehen und die Zukunft der Jugend Indiens, schrieb der Regierungschef auf X.
Indische Kakerlaken-Bewegung fordert Rücktritt des Bildungsministers
Zuletzt war es in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi bei Protesten zu schweren Zusammenstößen zwischen CJP-Anhängern und der Polizei gekommen. Durch Schlagstöcke und Tränengas wurden zahlreiche Menschen auf beiden Seiten verletzt.
Inzwischen versucht Bildungsminister Pradhan zu beschwichtigen: Am Dienstag stellte er offiziell Veränderungen in Aussicht. Die Regierung sei den Menschen "Reformen und Rechenschaft schuldig", schrieb er in sozialen Netzwerken. "Genau das will unsere Regierung auch weiterhin liefern", so Pradhan.
Parteigründer Abhijeet Dipke (30) kündigte zuletzt auf Instagram, wo die CJP-Bewegung mehr als 25 Millionen Follower hat, einen unbefristeten Hungerstreik an.
Titelfoto: Rafiq Maqbool/AP/dpa
