Ätna-Ausbrüche lassen Urlauber verzweifeln: "Wäre ich in ein Schlauchboot gestiegen, wäre ich früher angekommen"
Von Lena Klimkeit, Christoph Sator
Catania (Italien) - Auf Sizilien gehört der Ätna gewissermaßen zum Pflichtprogramm für jeden Touristen - jetzt sorgt Europas aktivster Vulkan allerdings dafür, dass mancher Urlaub extrem leidet. Wegen des jüngsten Ausbruchs, der seit Freitag dauert, sitzen auf der italienischen Mittelmeerinsel mehrere Tausend Urlauber fest, darunter auch viele Deutsche.
Infolge der Aschewolken am Himmel wurde der Flugbetrieb auf dem Flughafen Catania bis Mittwoch um 11 Uhr komplett gestoppt. Auch zuvor schon hatten kaum noch Flugzeuge starten und landen können. Mehr als 200 Flüge mussten umgeleitet oder ganz gestrichen werden.
Damit wird vor allem die Heimreise für viele Urlauber zur Tortur. Auf dem Flughafen der 300.000-Einwohner-Stadt Catania, am Fuß des Ätna gelegen, kommt es zu chaotischen Szenen.
Aus einem Flug von Catania nach Berlin - normalerweise eine Reise von zweieinhalb Stunden - wurde für eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur ein Trip von zweieinhalb Tagen.
Viele Touristen mussten ihren Aufenthalt auf der Insel verlängern. Allerdings sind die Unterkünfte voll, weshalb manche die Nacht am Flughafen verbringen mussten. Gestrandete Passagiere beschwerten sich, dass das Personal dort überfordert sei. Immer wieder gebe es widersprüchliche Ansagen.
Einer sagte der Zeitung "La Repubblica": "Man hat uns unserem Schicksal überlassen. Wäre ich in ein Schlauchboot gestiegen, wäre ich mit Sicherheit früher angekommen."
Der Ätna ist schon seit fünf Tagen wieder schwer aktiv
Der Ätna stößt nun schon den fünften Tag in Folge große Mengen Asche und glühende Gesteinsbrocken aus.
Aus zwei Schloten in 2360 Metern und 2750 Metern Höhe dringen nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dicke Lavaströme nach draußen. In der Nacht öffnete sich auf einer Höhe von etwa 1900 Metern ein neuer Schlot.
Solche Ausbrüche des mehr als 3300 Meter hohen Vulkans sind keine Seltenheit, deshalb wird der Ätna seit Jahrzehnten aufs Gründlichste überwacht.
Unklar ist nach wie vor, wann der Flugbetrieb in Catania wieder halbwegs normal laufen wird. Auf dem Rollfeld stehen inzwischen zahlreiche Flugzeuge, die mit Abdeckungen vor dem Ascheregen geschützt werden.
Insbesondere die Triebwerke werden penibel geschützt. Die Start- und Landebahnen müssen immer wieder von Vulkanasche gereinigt werden.
Titelfoto: Simone Genovese/AP/dpa

