Stromboli (Italien) - Mitsamt pinker Zuckertüte und einem Rucksack so groß wie sie selbst stand die kleine Aysha (6) vor der Tür der Schule, die sie die nächsten Jahre besuchen wird. Alles schien wie ein ganz normaler Schulanfang, doch irgendetwas auf der kleinen Vulkaninsel ist besonders.
Ganze 20 Jahre ist es her, dass die Schule in Ginostra zum letzten Mal einen Schüler begrüßt hat. Seitdem ist der Schulbetrieb in dem kleinen Dorf eingestellt – bis jetzt!
Denn wie die italienische Nachrichtenagentur "Ansa" berichtet, haben sich die Eltern von Aysha für die Wiederaufnahme des Schulbetriebes eingesetzt und damit auch Erfolg gehabt. Seit ein paar Tagen besucht die Sechsjährige als einzige Schülerin die neueröffnete Schule in dem 40-Seelen-Dorf.
Der Klassenraum befindet sich dabei in einem Pfarrhaus, welches extra für die wissbegierige Schülerin renoviert wurde.
In einem Video, welches auf der Internetseite des Fernsehsenders "Notiziarioisoleolie" zu sehen ist, sieht man das kleine Mädchen vor dem Eingang der Schule stehen, wo ihre Lehrerin, Frau Laura Mongi, bereits auf sie wartete.
Gemeinsam betraten sie das neue Schulgebäude. Unter dem Applaus ihrer Eltern und einiger Schaulustiger begann die erste von vielen Unterrichtsstunden an der "kleinsten Schule Europas".
Immer weniger Menschen wohnen auf den Liparischen Inseln
Die Einschulung der sechsjährigen Aysha ist für die kleine Inselgruppe im Mittelmeer ein wahrer Lichtblick in der sonst so trüben Zukunftsaussicht. So schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass nicht nur Stromboli, sondern auch alle weiteren Liparischen Inseln unter einem akuten Bevölkerungsschwund leiden.
Viele Familien müssen so jedes Jahr zwischen September und Mai auf das Festland oder nach Sizilien ziehen, damit die Kinder dort eine Schule besuchen können. Viele der Absolventen und Absolventinnen bleiben nach der Schule dann in den größeren Orten wohnen.