Lidl-Filiale auf KZ-Gelände: Gewerbepark sorgt für Kritik

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Femke Colborne

Leobersdorf (Österreich) - Ein paar zerfallende Betonblöcke auf einem unkrautbewachsenen Feld - mehr ist vom einstigen NS-Zwangsarbeiterlager im österreichischen Leobersdorf nicht mehr zu sehen.

Die Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers.
Die Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers.  © JURE CUFER / AFP

Bald sollen auch diese letzten Zeugnisse der Vergangenheit verschwinden, denn wo einst Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangene litten, entsteht derzeit ein Gewerbepark. Doch der Widerstand gegen den Bau eines Kühllagers und einer Lidl-Filiale wächst.

"Es ist ein trauriges Gefühl für mich", sagt Erich Strobl, Leiter der örtlichen Bürgerinitiative, die zumindest einen Teil des Geländes bewahren will. Hier werde ein Ort der NS-Geschichte "der Wirtschaft geopfert", kritisiert er.

Nachdem Deutschland 1938 Österreich annektiert hatte, sperrten die Nationalsozialisten im sogenannten Weinberglager tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ein. Später kam das Frauen-Außenlager Hirtenberg des KZ Mauthausens dazu.

Frachter sinkt nach Zusammenstoß: Von der Besatzung fehlt jede Spur
Türkei Frachter sinkt nach Zusammenstoß: Von der Besatzung fehlt jede Spur

Etwa 400 Frauen, hauptsächlich aus der Sowjetunion, aber auch aus Italien und Polen, waren dort zwischen September 1944 und April 1945 inhaftiert und mussten in einer Munitionsfabrik arbeiten.

Von der Fabrik stehen noch ein paar Ruinen, doch die Lagerbaracken und die meisten anderen Gebäude wurden nach dem Krieg abgerissen, umgenutzt oder zerstört.

Die Aufbahrungshalle am örtlichen Friedhof in Hirtenberg.
Die Aufbahrungshalle am örtlichen Friedhof in Hirtenberg.  © JURE CUFER / AFP

Gewerbegebiet auf KZ-Gelände: Lidl äußert sich

Auf dem Gelände sollen ein Kühllager und eine Lidl-Filiale entstehen.
Auf dem Gelände sollen ein Kühllager und eine Lidl-Filiale entstehen.  © JURE CUFER / AFP

Auch wenn es nicht mehr viel zu sehen gibt, hält der Geschichtswissenschaftler Bertrand Perz, Experte für das KZ Mauthausen, den Standort Hirtenberg nach wie vor für "historisch wichtig". Vor allem, weil zu wenig an die weiblichen Häftlinge in Mauthausen erinnert werde, sagt er.

Die Pläne für das Gewerbegebiet etwa 40 Kilometer südlich von Wien wurden 2024 bekannt. Auch Flächen, die Teil des Konzentrationslagers waren, sollen bebaut werden. Archäologische Untersuchungen haben die Spuren des ehemaligen Lagerkomplexes gekennzeichnet. Doch das österreichische Bundesdenkmalamt in Wien kam zu dem Schluss, dass die Überreste "nicht ausreichen, um sie unter Denkmalschutz zu stellen".

Das Internationale Mauthausen-Komitee widerspricht: "Ein ehemaliges Konzentrationslager darf nicht durch Bauwerke überbaut werden."

Angriff bei Rave in der Schweiz war laut Ermittlern Amoklauf!
Aus aller Welt Angriff bei Rave in der Schweiz war laut Ermittlern Amoklauf!

Das Bauprojekt sorgt auch deshalb für Kontroversen, weil das Grundstück zuvor dem Leobersdorfer Bürgermeister Andreas Ramharter gehörte. Er verkaufte es Presseberichten zufolge 2022 und 2023 für mehr als 15 Millionen Euro.

Der deutsche Lidl-Konzern bestätigt Pläne zur Eröffnung einer Filiale in dem geplanten Gewerbegebiet, betont jedoch, dass diese "nicht direkt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, sondern auf einem angrenzenden Grundstück" liegen werde.

Titelfoto: JURE CUFER / AFP

Mehr zum Thema Österreich: