Krakau-Täter tötete auch seine eigene Familie! Justiz ermittelt wegen Terrorismus
Von Michael Heitmann, Thomas Kaufner, Marc Kalpidis, Friedemann Kohler
Krackau (Polen) - Während Polen um sechs Tote durch Schüsse auf dem Marktplatz von Krakau trauert, ermittelt die zuständige Staatsanwaltschaft nun wegen einer terroristischen Straftat. Auch seine eigene Familie soll der Täter auf dem Gewissen haben.
Das meldete die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf die Behörde. Es gehe um die Tötung von sechs Personen und den versuchten Mord an zahlreichen weiteren Personen, darunter Polizeibeamte.
Drei weitere Tote, die im Haus des Todeschützen entdeckt wurden, seien seine Eltern und seine Schwester, teilte indes die Polizei mit.
Gefunden wurden sie am Wohnort des 24-Jährigen in der Stadt Ostrowiec Swietokrzyski, etwa zwei Autostunden nordöstlich von Krakau. Es handelt sich dabei um die Eltern sowie Schwester des Täters. Am Sonntag galt Staatstrauer in Polen.
Der Mann hatte am Vortag aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten auf dem Marktplatz der zweitgrößten Stadt Polens geschossen. Zu seinem Motiv gibt es keine Klarheit. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und dementierte Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen.
Der Schütze soll nach ersten Erkenntnissen "sehr radikale Ansichten" vertreten haben, wie Polens Innenminister Marcin Kierwinski (50) am Abend sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.
"Bis jetzt hatten wir in Polen noch keinen so drastischen Fall von Terrorismus, denn so muss man diesen brutalen Angriff auf lebende Menschen in Krakau nennen", sagte Regierungschef Donald Tusk (69), der am Samstag ebenfalls nach Krakau eilte.
Der Marktplatz der Stadt mit seinen Renaissancebauten zieht Touristen aus aller Welt an. Auch mehrere Ausländer zählen zu den Opfern. Fünf Personen aus Deutschland, Großbritannien, Portugal, Österreich und Russland seien außerdem verletzt worden.
Fluchtversuch endet mit Unfall und Schießerei
Zu den 16 Verletzten zählen die polnischen Behörden PAP zufolge den mutmaßlichen Täter sowie zwei Polizisten. Sie wurden bei der versuchten Festnahme verletzt. Einer von ihnen erlitt demnach drei Schussverletzungen und ist in lebensgefährlichem Zustand.
Die polnische Polizei rief am Sonntag dringend zu Blutspenden auf, weil dieser Verletzte die seltene Blutgruppe AB Rhesus+ habe. Von der Armee und anderen Behörden kamen ähnliche Aufrufe.
Welche Dimensionen das Gewaltverbrechen hat, wurde erst nach und nach klar. Später suchten Einsatzkräfte das Wohnhaus des Schützen auf. Wegen des Verdachts, dass sich dort Sprengsätze befinden könnten, wurden mithilfe einer Drohne Aufnahmen gemacht, auf denen die drei Toten zu sehen waren.
Aufnahmen von der Tat und panisch flüchtenden Menschen machten in sozialen Medien und im Fernsehen schnell die Runde. Augenzeugen berichteten von beängstigenden Szenen.
"Im ersten Moment hat großes Chaos geherrscht. Die Menschen haben begonnen, sich hektisch zu bewegen, ich habe umgestürzte Tische gesehen", sagte eine Person dem TV-Sender Polsat News.
Erstmeldung um 10.50 Uhr, Update um 11.33 Uhr
Titelfoto: Fotomontage/Beata Zawrzel/AP/dpa

