Krakau (Polen) - Im Zentrum der polnischen Stadt Krakau (Krakow) sind am Samstag Schüsse aus einem Auto abgegeben worden. Sechs Menschen wurden getötet, vier Frauen und zwei Männer, wie die Polizei mitteilte. Mindestens 16 Menschen wurden verletzt, darunter ein Deutscher, zwei Polizisten und zahlreiche Droschkenkutscher. Zwölf der Verletzten befinden sich in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand. Der mutmaßliche Täter wurde von Beamten angeschossen und festgenommen.
Der Schütze wurde lebensgefährlich verletzt und musste im Krankenhaus mehrfach operiert werden. Am Abend wurden dann drei weitere Leichen im Haus des mutmaßlichen Täters entdeckt.
Dabei handelt es sich vermutlich um seine engsten Familienangehörigen, wie Ministerpräsident Donald Tusk (69) mitteilte. Staatspräsident Karol Nawrocki (43) kündigte für Sonntag und Montag zwei landesweite Trauertage an.
Zu den Hintergründen der Tat wird weiterhin ermittelt. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 24-jährigen jungen Polen . Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und dementierte Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen.
Der Mittzwanziger soll nach ersten Erkenntnissen "sehr radikale Ansichten" vertreten haben, wie Polens Innenminister Marcin Kierwinski am Abend sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei. Dies müsse allerdings noch genauer überprüft werden.
Nach Polizeiangaben verwendete der Täter eine halbautomatische Langwaffe, ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15. Außerdem führte er eine Pistole bei sich. In seinem Auto wurden zahlreiche weitere Waffen und Munition gefunden, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.
Polens Regierungschef Donald Tusk teilte mit, dass er laufend über die Lage in Krakau nach der "tragischen Schießerei" informiert werde. "Die Polizei untersucht die Hintergründe und alle Umstände des Vorfalls", schrieb der liberalkonservative Politiker bei X.
Augenzeugen schildern chaotische Szenen
Gegen 15 Uhr begann ein Mann, der mit einem Auto auf den Marktplatz gefahren war, aus dem Fahrzeug heraus auf zufällige Personen zu schießen, teilte die Polizei mit. Auf Videos in den sozialen Medien war zu sehen, dass ein Rettungshubschrauber auf dem Platz landete.
Nach der Tat soll der Mann mit seinem Auto geflüchtet sein. Medienberichten zufolge stieß sein Wagen an einer Kreuzung mit einem anderen Fahrzeug zusammen.
Anschließend sei der Angreifer aus seinem Auto gesprungen und habe auf die Einsatzkräfte geschossen. Diese erwiderten das Feuer und konnten den Täter überwältigen. Zwei Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt. Einer von ihnen erlitt den Angaben zufolge drei Schusswunden.
Unter den 16 Verletzten soll sich nach Angaben mehrerer Medien auch eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit befinden.
"Im ersten Moment hat großes Chaos geherrscht. Die Menschen haben begonnen, sich hektisch zu bewegen, ich habe umgestürzte Tische gesehen", sagte ein Zeuge dem TV-Nachrichtensender Polsat News.
Eine andere Person berichtete: "Plötzlich ist ein Auto herangefahren, und ein Mann hat begonnen, aus dem Fenster des Wagens zu schießen". Der Angreifer habe einen Helm oder eine Maske getragen, sein Gesicht sei nicht zu sehen gewesen.
Die Spurensicherung am Tatort sollte bis mindestens Sonntag dauern, sagte Justizminister Waldemar Zurek am Samstagabend.
Erstmeldung am 8. Oktober um 16.31 Uhr, zuletzt aktualisiert am 9. Oktober um 8.45 Uhr