Ceuta - Nach dem riesigen Migrantenansturm auf die spanische Exklave Ceuta haben marokkanische Einsatzkräfte am Samstag einen erneuten Andrang an der Grenze niedergeschlagen.
In den sozialen Medien wurde für diesen Samstag wieder zum Sturm auf die spanisch-marokkanische Grenze aufgerufen. Dies konnten die marokkanische Polizei nach eigenen Angaben jedoch verhindern.
Insgesamt 148 Migranten seien abgefangen worden, berichtete die spanische Nachrichtenagentur EFE unter Berufung auf marokkanische Sicherheitsquellen am Nachmittag.
Dem Bericht zufolge seien in den vergangenen Tagen zudem 61 Personen durch die marokkanische Polizei verhaftet worden, die für die Aufrufe zur Grenzüberquerung verantwortlich gewesen sein sollen.
Unter den gescheiterten Grenzstürmern vom Samstag hätten sich demnach überwiegend Menschen aus der Subsahara-Region befunden. Diese Region umfasst Länder, die in der Mitte des afrikanischen Kontinents liegen, darunter Nigeria, Somalia oder Ghana. Nord- und südafrikanische Länder zählen nicht dazu.
Die Situation vor Ort lässt sich unterdessen mit einem Stand-Off, wie in einem Western-Film, vergleichen: Laut einem Bericht des spanischen Senders RTVE sei auf marokkanischer Seite der Grenzanlage eine vier Meter hohe Metallbarriere errichtet worden. Auf beiden Seiten der Grenze würden zudem Boote im Wasser patrouillieren.
Während es direkt an der Grenze am Samstag bislang ruhig blieb, stand dagegen die marokkanische Grenzstadt Fnideq im Fokus.
Angespannte Lage auf marokkanischer Seite: Menschen sammeln sich auf Hügeln in Fnideq
Fnideq liegt nur rund fünf Kilometer von der Grenze entfernt, von den Hügeln am Stadtrand kann man bereits über die Grenze blicken.
Genau dort sollen sich die Menschen laut EFE-Bericht zum Sturm auf die Grenze versammelt haben. Marokkanische Sicherheitskräfte seien mit Helikopter, Hundestaffeln, Schlagstöcken und Tränengas gegen die Menschenansammlung vorgegangen.
Die Lage in dem Grenzort könnte sich dabei weiter verschärfen. Wie die spanische Zeitung "El País" am Nachmittag berichtete, seien Journalisten vom marokkanischen Innenministerium ohne Angabe von Gründen angewiesen worden, Fnideq zu verlassen. Mehr oder weniger zeitgleich seien neue Einsatztruppen vor Ort eingetroffen.
Wie viele Menschen sich mit der Absicht, die Grenze zu stürmen, in Fnideq aufhalten, ist dagegen nicht bekannt. Auslöser für die Ausnahmesituation am afrikanischen Nordzipfel war ein offenbar über die sozialen Medien koordinierter Aufruf zum Grenzsturm. Ende Juli hatten über 60.000 Menschen die Grenze überquert, viele schwammen an der Küste entlang.
Die Sicherheits- sowie die humanitäre Lage in der 80.000-Einwohner-Stadt Ceuta wurde damit bis an ihre Grenzen getrieben. Laut spanischen Regierungsangaben sei ein Großteil der illegal Eingereisten bereits wieder zurück in Marokko. Noch etwa 5000 Migranten würden sich weiterhin in Ceuta aufhalten.