Tragödie bei Silvesterparty: 40 Tote und 115 Verletzte in Nobel-Skiort
Von Christiane Oelrich, Michael Evers
Crans-Montana (Schweiz) - Im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind bei einem Feuer während einer Silvesterparty 40 Menschen getötet worden. Rund 115 seien zum Großteil schwer verletzt worden, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, am Abend während einer Pressekonferenz.
Die Opfer sind noch nicht identifiziert. Die Ermittler vermuten auch Ausländer unter den Toten. Aktuell werde von einem Unglück und nicht von einem Anschlag ausgegangen.
Zu den am schwerst Verletzten gehören junge Leute im Alter von 16 bis 26 Jahren. Ihre Behandlung wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, sagte Claire Charmet, Chefin der Lausanner Uniklinik. Acht Patienten hätten wiederbelebt werden müssen.
Die Tragödie ereignete sich nach Polizeiangaben gegen 1.30 Uhr in der Bar "Le Constellation". Dort brach ein Brand aus.
Nach Medienberichten habe es eine Explosion gegeben. Dabei handelte es sich ersten Erkenntnissen der Behörden zufolge allerdings nicht um eine Sprengsatz-Explosion.
Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung stattdessen eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.
Der italienische Botschafter in der Schweiz spekulierte hinsichtlich der Ursache über einen Feuerwerkskörper. "Wir können dazu keine Angaben machen", sagt Daniel Imboden, Sprecher der Kantonspolizei. "Wie immer wird in alle möglichen Richtungen ermittelt."
Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Opfern ausländische Gäste seien, so die Polizei. Ob Deutsche betroffen sind, war zunächst unklar.
Der Einsatz dauerte nach Polizeiangaben am Vormittag noch an. Über dem Ort wurde ein Überflugverbot verhängt. Augenzeugen in Genf berichteten, dass am Universitätsspital alle paar Minuten Nothubschrauber landeten.
Auskunft für Angehörige eingerichtet
Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: "Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert", sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur.
"Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren."
"Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an", sagte Anwohner Jeoffrey d'Amecourt dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um die Bar auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt.
Die Polizei hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen.
Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Dort landeten am Universitätsspital nach Angaben von Augenzeugen am Vormittag zahlreiche Hubschrauber.
Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von Minuten vor Ort gewesen, so die Behörden. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe.
Erstmeldung vom 1. Januar, 7.32 Uhr. Letzte Aktualisierung am 1. Januar, 16.53 Uhr.
Titelfoto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

