Culver City (Kalifornien/USA) - Was mit Ärger und Zorn über eine ältere Frau begann, endete in einer tiefen Freundschaft: Eigentlich wollte die 34-jährige Englischlehrerin Heidi Widmer aus dem US-Bundesstaat Kalifornien nach ihrer Scheidung einfach nur einen Neustart wagen. Dass ein Umzug weitaus mehr mit sich bringen würde als nur ein neues Zuhause, damit hätte sie nicht gerechnet.
Erst vor wenigen Wochen packte Heidi ihre Siebensachen und zog von Buffalo (New York) nach Los Angeles (Kalifornien). Rund sieben Tage reiste die Lehrerin gemeinsam mit ihrem Hund quer durchs Land und legte dabei über 4000 Kilometer zurück. Gegenüber dem Sender ABC7 beichtete die 34-Jährige nun, dass ihr Start in der Küstenregion alles andere als gut verlief.
In ihrem neuen Heim angekommen, musste Heidi erst einmal Kraft tanken und legte sich aufs Ohr. Leichter gesagt als getan: Aus der Wohnung über ihr drangen laute Geräusche. Zunächst wusste sie nicht, was hinter dem Lärm steckte. "Meine erste Nacht war etwas schwierig. Über mir wohnte ein lauter Nachbar. Ich war total gestresst und erinnere mich nur noch daran, dass ich gefilmt habe."
Kurz nach dem Vorfall postete Heidi ein Video auf Instagram und schilderte die Situation - eine ganz andere, wie zunächst angenommen. "Die arme Frau kommt kaum die Treppe runter, und ich frage mich, was dieses Bowlingkugel-Geräusch ist. Das ist ihr Rollator", schilderte sie unter Tränen.
Nur wenig später folgte die nächste traurige Neuigkeit: Ihre 86-jährige Nachbarin, Carole, leidet an Parkinson. Die Freundschaft zwischen den Frauen entstand jedoch erst, als die Seniorin aus Versehen Müll vor Heidis Tür verlor.
Statt sich über den Vorfall zu ärgern, griff die 34-Jährige ihrer Nachbarin Carole unter die Arme: "Weil sie so stark zitterte, ist alles verschüttet worden. Also bin ich natürlich aufgestanden und habe gesagt: 'Ich hab's, alles gut'". Die beiden Frauen kamen ins Gespräch. Heidi fragte Carole, ob sie denn keine Familie hätte, die der Seniorin im Alltag helfen könnte. Das verneinte die 86-Jährige.
Heidi bezeichnet sich im Internet selbst als "Arschloch"
"Ihre Lebensqualität ist schlecht. Wirklich schlecht", machte Heidi auf Social Media deutlich. Nun mache sich die geschiedene Lehrerin infolge ihrer Beschwerde große Vorwürfe.
Gegenüber ihren rund 210.000 Instagram-Followern bezeichnete sie sich selbst als "Arschloch". Sie hätte ihrer Meinung nach einfach eher nachfragen müssen, bevor sie über ihre Nachbarin urteilte.
Heidi beließ es nicht nur bei einem Gespräch: Nach dem Vorfall fing die Lehrerin an, sich um die Seniorin zu kümmern - kochte und putzte für sie. "Heidi ist in mein Leben getreten, und dafür bin ich zutiefst dankbar", sagte Carole dem Sender. Um die 86-Jährige finanziell so gut es geht zu unterstützen, rief die Lehrerin eine "GoFundMe"-Kampagne ins Leben.
Rund 55.000 US-Dollar (circa 47.000 Euro) konnte Heide bereits für Carole sammeln - deutlich mehr als das gewünschte Spendenziel von 25.000 US-Dollar (etwa 21.400 Euro).