Machtwort nach Medien-Bann: Richter stoppt Trumps Angriff auf die Pressefreiheit

Von Anna Ringle, Naveena Kottoor, Jan Christoph Freybott, Laura Almanza

Washington (USA) - Die US-Regierung muss den Journalisten der Sender CNN, MS NOW sowie des Nachrichtenportals "Politico" vorerst wieder Zugang zum Weißen Haus gewähren.

Ein Bundesrichter kippte den von Donald Trump (80) verfügten Ausschluss der drei Medien.  © Evan Vucci/AP/dpa

Ein Bundesrichter gab in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit) einem Eilantrag der von US-Präsident Donald Trump (80) ausgeschlossenen Medien statt.

Der Entzug der Presseausweise der betroffenen Journalisten sei ohne verfassungsrechtlich angemessenes Verfahren erfolgt, hieß es in der einstweiligen Verfügung.

Allgemeine Regel sei es, dass "Personen eine Benachrichtigung und die Möglichkeit zur Anhörung erhalten müssten, bevor ihnen die Regierung ein verfassungsrechtlich geschütztes Interesse entzieht", lautete die Begründung von Richter Timothy Kelly.

USA "Unangemessenes" Outfit? Anwältin von Richterin vorgeführt

Die Anordnung gilt zunächst für 14 Tage.

Trump hatte am vergangenen Freitag erklärt, dass den drei Medien ab sofort der Zugang zum Weißen Haus verboten sei, weil sie Falschnachrichten verbreitet hätten.

Kritiker werten Trumps Vorgehen als Angriff auf die Pressefreiheit und offensichtlichen Versuch, kritisch berichtende Medien einzuschüchtern.

Anzeige

Journalisten wehren sich mit Klage und Boykott

Sogar Trumps Lieblingssender Fox News stellte sich im Medienstreit gegen das Weiße Haus.  © FINN GOMEZ/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/GETTY IMAGES VIA AFP

Am Samstag blieb Journalisten aller drei Medienhäuser nach deren Angaben der Zugang zum Gelände des Weißen Hauses versperrt. Trump drohte zudem damit, das Verbot auf andere Medien auszuweiten. 

In der Folge zogen die drei Medien vor Gericht. Andere Medien solidarisierten sich derweil mit den geschassten Journalisten.

Die engmaschige TV-Begleitung auf Terminen und Reisen Trumps, die über ein Rotationsprinzip großer Fernsehsender geregelt ist, wurde von diesen gestoppt - als Protestaktion, weil CNN Teil dieses sogenannten Pools ist.

USA 15 weitere Jahre Haft für Ex-Hollywood-Mogul Weinstein

In einer gemeinsamen Stellungnahme der TV-Sender hieß es, die Öffentlichkeit habe ein grundlegendes Interesse daran, unabhängige Informationen über ihre Regierung zu erhalten.

Bemerkenswert ist, dass die Erklärung von allen fünf TV-Sendern im Pool kam - und damit auch von Fox News.

Das ist eigentlich Trumps Lieblingssender, der häufig wohlwollend über ihn berichtet und ihm sehr viel Platz im Programm einräumt.

Pressefreiheit in der Verfassung verankert

Auch andere Medien wie die "New York Times", die "Washington Post" oder die Nachrichtenagentur Associated Press stellten sich öffentlich auf die Seite der drei Medienhäuser.

Trump geht in seiner zweiten Amtszeit mit zunehmender Härte gegen missliebige Medien vor. Journalisten beleidigt er häufig, wenn ihm die von ihnen gestellten Fragen nicht gefallen. Wohlwollende Berichterstattung wird dagegen ausdrücklich gelobt.

Wie in Deutschland ist auch in den USA die Pressefreiheit verfassungsrechtlich verankert.

Mehr zum Thema USA: